Democracy – Im Rausch der Daten

2015

Democracy – Im Rausch der Daten ist ein deutscher Dokumentarfilm über die Rechtsetzung der Europäischen Union von David Bernet aus dem Jahr 2015.

Quelle: Wikipedia(deutsch)
Rezension zu Democracy – Im Rausch der Daten
Thomas Schneider
Dr. Kay Hoffmann
Filmpublizist und wissenschaftlicher Leiter im Haus des Dokumentarfilms

Politische Gesetzgebungsprozesse sind eher abstrakt, trocken und langwierig. Trotzdem hat sich der Regisseur David Bernet vorgenommen, sich filmisch damit auseinanderzusetzen. Er wollte hinter die Kulissen von Brüssel schauen und dies ist ihm mit »Democracy – Im Rausch der Daten« auf hervorragende Weise gelungen. Über zwei Jahre begleitete er die Entwicklung für ein europäisches Datenschutzgesetz, das in dieser Zeit an Brisanz gewonnen hat.

Die Lebendigkeit seines Films verdankt er zwei Glücksfällen. Sein Hauptprotagonist ist der junge Grüne-Abgeordnete Jan Philipp Albrecht. Er hat noch Ideale und für ihn ist die informelle Selbstbestimmung des Einzelnen, die höchste deutsche Gerichte in einem Urteil zur Volksbefragung 1983 festlegten, die Grundlage für einen Datenschutz. Jeder soll selbst bestimmen können, was mit seinen Daten geschieht. Dafür tritt die damals zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission Viviane Reding ein. Dass dies längst keine Selbstverständlichkeit ist, macht dieser Film sehr deutlich. Denn die Daten werden als Öl des 21. Jahrhunderts gesehen. Sie sind der Rohstoff einer digitalisierten Gesellschaft und die Grundlage vieler Internetunternehmen, die global agieren. Sie wehren sich vehement dagegen, die Datennutzung und damit ihre profitablen Geschäfte einzuschränken. Das bekommt auch Albrecht zu spüren, der vom Parlament als Verhandlungsführer eingesetzt wird.

Für das Thema Datenschutz waren die Veröffentlichungen von Edward Snowdon ein Glücksfall, die zeigten, wie die Geheimdienste heute schon keine Privatsphäre achten. Jeder der sich im Internet bewegt hinterlässt Spuren für die Geheimdienst und die Internet Konzerne. Deswegen ist es umso wichtiger, dass die Europäische Union vorbildliche Regelungen zum Datenschutz verabschiedet. Snowdon liefert dem Film eine dramatische Zuspitzung. Es kam plötzlich Bewegung in die Verhandlungen über das neue Gesetz. Es mussten Kompromisse geschlossen werden, aber in grundsätzlichen Punkten wie dem Bürgerrecht auf Kontrolle seiner Daten konnte sich Albrecht durchsetzen und auch eine klare Mehrheit im EU-Parlament erringen. Jetzt muss noch der Rat zustimmen, das Gremium der europäischen Regierungen. Dort gibt es ebenfalls Widerstände und selbst die Bundesregierung scheint bereit, die Regelungen aufzuweichen.

Aber der Film der Stuttgarter Produktionsfirma Indi-Film endet mit einem großen Erfolg. Um ästhetisch andere Bilder von Brüssel zu zeigen, entschied sich Regisseur David Bernet und sein Team an Kameramännern für Schwarzweiß und Cinemascope-Format. Immer wieder gibt es Szenen des Alltags, die im Kontrast zur isolierten Welt der Abgeordneten stehen. Seine sehr ästhetischen Bilder und die Musik verleihen dem Film eine Leichtigkeit, die es zu einem Vergnügen macht, ihn zu sehen. Denn er macht deutlich, wie essentiell wichtig es ist, sich mit diesen Themen zu beschäftigen.

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Kinostart:12.11.2015 in Deutschland
weitere Titel:
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Democracy - Im Rausch der Datenlb
Genre:Dokumentarfilm
Herstellungsland:Deutschland
Originalsprache:Deutsch
Farbe:Farbe
IMDB: 201
Offizielle Webseite:www.democracy-film.de
Regie:David Bernet
Drehbuch:David Bernet
Kamera:Marcus Winterbauer
Dieter Stürmer
François Roland
Ines Thomsen
Schnitt:Catrin Vogt
Musik:Von Spar
Darsteller:Daniel Cohn-Bendit
Edward Snowden
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