

Im August 1944 feiert Paris nach vier Jahren Besatzung seine Befreiung. Doch für über 600.000 Franzosen, die zum Pflichtarbeitsdienst im Deutschen Reich eingezogen wurden, ist der Krieg noch nicht vorbei. In den Fabriken teilen sie das Schicksal von acht Millionen Zwangsarbeitern, die von den Nazis aus ganz Europa verschleppt wurden. Jean Baudet ist 20, als er in die "Kraft durch Freude"-Stadt, das heutige Wolfsburg, kommt. In der Fabrik, die 1938 noch Vorzeigewerk des Naziregimes und Geburtsstätte des Volkswagens war, stellt Baudet nun an der Seite seiner französischen und russischen Kameraden Kriegsmaterial für die deutsche Armee her. Nach einem Bombardement im September 1944 wird er in das Dorf Neindorf versetzt, wo er eine junge Zwangsarbeiterin aus der Ukraine kennenlernt und sich in sie verliebt. Der Krieg führt Jean und Natascha zusammen - doch der Frieden trennt sie wieder. Im Mai 1945 gelangt Natascha nach Frankreich, wo sie in einem Lager für sowjetische Staatsangehörige interniert und schließlich nach Russland ausgewiesen wird. Zahlreiche Fotografien und Briefausschnitte dokumentieren Baudets Leben in dem niedersächsischen Arbeitslager und die Liebe zu dem Mädchen, das er nach Kriegsende nie wiederfand.
Das 20. Jahrhundert stand ganz im Zeichen der Fotografie. Dank der neuen Technik konnte jedermann Erinnerungen an sein Leben in Bildern festhalten. Millionen von Amateurfotografen schufen so unwillkürlich eine Chronik ihrer Zeit.
Die Reihe "Augenblicke der Weltgeschichte" erzählt anhand fotografischer Zeugnisse Schicksale ganz gewöhnlicher Menschen. Die Aufnahmen werden aus der Sicht der Fotografen subjektiv und in fiktionsähnlichem Stil kommentiert. Ergänzend veranschaulichen Filmpassagen aus dem Archiv den historischen Kontext.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 12.11.2020 um 06:10 Uhr auf arte.