ESC zum Schließen · Enter zum Suchen
Lexikon

Dokumentarfilm-Lexikon

Formen, Stile und Fachbegriffe des Dokumentarfilms – kurz erklärt.

AnimadokArchivfilmBeobachtender DokumentarfilmCinéma véritéDirect CinemaDokudramaEssayfilmEthnografischer FilmFound FootageHybridfilmInterviewLangzeitbeobachtungMockumentaryNaturfilmO-TonOff-KommentarPerformativer DokumentarfilmPorträtfilmReenactmentRockumentaryWebdoku

Animadok (Animationsdokumentarfilm)
Dokumentarfilm, der ganz oder teilweise mit Animation arbeitet – etwa um Erinnerungen, Träume oder Ereignisse zu zeigen, von denen es keine Bilder gibt, oder um Interviewte zu schützen. Bekannte Beispiele sind „Waltz with Bashir“ (2008) und „Flee“ (2021).
Archivfilm / Kompilationsfilm
Film, der überwiegend aus vorhandenem Material besteht: Wochenschauen, Fernseharchive, Amateuraufnahmen, Fotos. Die eigentliche Arbeit liegt in Recherche, Auswahl, Rechteklärung und Montage. Frühes Beispiel: Esfir Schubs „Der Fall der Dynastie Romanow“ (1927).
Beobachtender Dokumentarfilm
Die Kamera begleitet Menschen über längere Zeit, ohne Interviews, Kommentar oder Musik einzusetzen; das Geschehen soll für sich sprechen. Der Begriff geht auf Bill Nichols’ Einteilung der Dokumentarfilm-Modi zurück („observational mode“).
Cinéma vérité
Französische Richtung der frühen 1960er Jahre (Jean Rouch, Edgar Morin: „Chronik eines Sommers“, 1961). Anders als beim Direct Cinema greifen die Filmenden bewusst ein, stellen Fragen und machen den Dreh selbst zum Thema – die Kamera wird zum Auslöser.
Direct Cinema
US-amerikanische Bewegung ab etwa 1960 (Robert Drew, Richard Leacock, D. A. Pennebaker, die Brüder Maysles, Frederick Wiseman). Möglich wurde sie durch leichte Kameras mit synchronem Ton. Ziel ist die möglichst unauffällige Beobachtung ohne Inszenierung und Kommentar.
Dokudrama
Mischform, die reale Ereignisse mit Schauspielerinnen und Schauspielern nachstellt und oft mit Archivmaterial oder Interviews von Zeitzeugen verbindet. Im deutschen Fernsehen stark mit Heinrich Breloer verbunden („Todesspiel“, „Die Manns“).
Essayfilm
Subjektive, nachdenkende Form: Ein Ich denkt in Bildern und Kommentar über ein Thema nach, oft assoziativ statt chronologisch. Vertreter sind u. a. Chris Marker („Sans Soleil“), Harun Farocki und Agnès Varda.
Ethnografischer Film
Dokumentarfilm über Kulturen, Rituale und Lebensweisen, häufig im Umfeld der Ethnologie entstanden. Robert Flahertys „Nanook of the North“ (1922) gilt als frühes, wegen seiner Inszenierungen auch umstrittenes Beispiel.
Found Footage
Fremdes, „gefundenes“ Material – etwa private Filme oder Lehrfilme –, das neu montiert und in einen anderen Zusammenhang gestellt wird. Im Spielfilm steht der Begriff außerdem für ein Genre, das nur vorgibt, gefundenes Material zu zeigen.
Hybridfilm
Film, der Dokumentarisches und Fiktionales bewusst vermischt, etwa wenn Laien sich selbst in nachgestellten Szenen spielen. Die Grenze zwischen beiden Formen wird dabei oft selbst zum Thema.
Interview / Talking Head
Gesprächsaufnahme, meist mit Blick knapp an der Kamera vorbei. Als „Talking Heads“ bezeichnet man Filme, die sich vor allem auf aneinandergereihte Interviewausschnitte stützen – eine häufige, oft kritisierte Form im Fernsehen.
Langzeitbeobachtung / Langzeitdokumentation
Film oder Filmreihe, die Menschen über viele Jahre begleitet. Bekannte Beispiele sind „Die Kinder von Golzow“ (Barbara und Winfried Junge, 1961–2007) und die britische „Up“-Reihe (ab 1964).
Mockumentary
Fiktionaler Film im Gewand einer Dokumentation, meist als Komödie oder Satire, etwa „This Is Spinal Tap“ (1984). Er spielt mit den Mitteln und der Glaubwürdigkeit des Dokumentarfilms.
Naturfilm / Tierfilm
Dokumentarfilm über Tiere, Pflanzen und Landschaften. Er verlangt oft lange Drehzeiten und Spezialtechnik wie Zeitraffer, Hochgeschwindigkeits- oder Unterwasserkameras. In Deutschland prägten u. a. Heinz Sielmann und Bernhard Grzimek das Genre.
O-Ton (Originalton)
Am Drehort aufgenommener Ton, etwa Aussagen, Gespräche und Geräusche – im Gegensatz zu nachträglich eingesprochenem Kommentar, Musik oder Geräuschen.
Off-Kommentar
Sprechertext aus dem Off, der Bilder erklärt, einordnet oder bewertet. Klassisches Mittel des erklärenden Dokumentarfilms und vieler Fernsehdokumentationen; beobachtende Filme verzichten bewusst darauf.
Performativer Dokumentarfilm
Die Filmemacherin oder der Filmemacher steht sichtbar im Mittelpunkt, handelt vor der Kamera und macht die eigene Perspektive zum Thema. Beispiele sind Filme von Michael Moore oder Morgan Spurlock („Super Size Me“).
Porträtfilm
Dokumentarfilm über einen einzelnen Menschen, eine Gruppe oder einen Ort. Er kann beobachtend, mit Interviews oder essayistisch erzählt sein.
Reenactment
Nachstellung vergangener Ereignisse, oft mit Darstellerinnen und Darstellern oder den Beteiligten selbst. Bekanntes Beispiel: Errol Morris’ „The Thin Blue Line“ (1988).
Rockumentary / Musikdokumentarfilm
Dokumentarfilm über Musikerinnen, Bands, Tourneen oder Konzerte. Klassiker sind „Don’t Look Back“ (1967) über Bob Dylan und „Gimme Shelter“ (1970) über die Rolling Stones. Reine Konzertmitschnitte zeigt DOKsite in den Ranglisten unter „Musik & Konzert“.
Webdoku / interaktive Dokumentation
Für das Internet gemachte Dokumentation, in der Nutzerinnen und Nutzer selbst wählen, was sie in welcher Reihenfolge sehen, oft mit Text, Karten und Daten verknüpft.

Fehlt ein Begriff oder stimmt etwas nicht? Schreiben Sie uns über das Impressum.