The Act of Killing

2012

The Act of Killing ist ein mehrfach ausgezeichneter Dokumentarfilm des US-amerikanischen Regisseurs Joshua Oppenheimer aus dem Jahr 2012. Ausführende Produzenten waren unter anderem Werner Herzog und Errol Morris.[1][2]

Die Macher des Films nahmen, im Unterschied zum klassischen Dokumentarfilm, keine neutrale, rein berichtende Position ein. Vielmehr forderten sie Menschen, die an dem im Film thematisierten Massenmord an etwa einer halben Million Menschen in Indonesien als Täter beteiligt waren, auf, die Geschehnisse aus den Jahren 1965/1966 mit verteilten und wechselnden Opfer/Täter-Rollen nachzuspielen. Dabei dokumentierten sie filmisch und durch Interviews, welche Reaktionen dieses so genannte Reenactment („Nachspielen“) bei den damaligen Tätern hervorrief, die niemals für die staatlich angeordneten Morde zur Rechenschaft gezogen worden waren.

Diese filmisch neuartige Herangehensweise an schwerwiegende historische Ereignisse, die zudem bis dahin im Westen weitgehend unbeachtet waren, polarisierte die Kritiker. Der Film wurde überwiegend und teils enthusiastisch gelobt, zog aber auch vereinzelte harte Kritik auf sich, die insbesondere die fehlende Darstellung des „historischen Kontexts“ des Massenmords bemängelte.

2014 folgte Oppenheimers Dokumentarfilm The Look of Silence, der sich diesmal aus der Opferperspektive mit dem Indonesischen Massenmord auseinandersetzt und als Gegenstück zu The Act of Killing fungiert. Beide Filme wurden vielfach mit Filmpreisen ausgezeichnet und waren u. a. für den Oscar in der Kategorie Bester Dokumentarfilm nominiert.

Quelle: Wikipedia(deutsch)
Rezension zu The Act of Killing
Thomas Schneider
Dr. Kay Hoffmann
Filmpublizist und wissenschaftlicher Leiter im Haus des Dokumentarfilms

In seinem Dokumentarfilm über die blutige Vergangenheit Indonesiens, die bis in die Gegenwart hineinreicht, bietet Joshua Oppenheimer Massenmördern eine Bühne, die Mitte der 1960er Jahre über eine Million Menschen auf brutale Weise umbrachten – vermeintliche Kommunisten, Chinesen und Regimegegner. Die Täter wurden nie zur Rechenschaft gezogen und genießen bis heute privilegierte Stellungen mit Kontakten in die
höchsten Regierungsämter. Ihre Taten waren ein Tabu, jahrzehntelang sprach niemand darüber. 

Doch in »The Act of Killing« wird darüber gesprochen – und zwar von den Tätern, offen über ihre eigenen Verbrechen. Sie inszenieren ihre Taten sogar nach. In teilweise ästhetisch überhöhten Szenen zeigen sie ihre Sicht der Dinge. Oppenheimer musste für diese Herangehensweise Kritik einstecken. Die Opfer kämen nicht zu Wort, hieß es bei der Rezeption des Filmes, der übrigens von 74 Nominierungen weltweit 63 Preise gewinnen konnte. In einer Masterclass bei den 55. Nordischen Filmtagen in Lübeck 2013, die vom Haus des Dokumentarfilms unterstützt wurde, erläuterte Oppenheimer die Hintergründe. Seine Versuche, über die Massenmorde einen Film aus der Perspektive der Opfer zu drehen, wurden von den Militärs und der Polizei blockiert. Die Angehörigen der Opfer machten den Regisseur darauf aufmerksam, dass in dem Viertel noch die Täter von damals wohnten. Ohnedies musste Oppenheimer die Namen von vielen Mitgliedern seiner Filmcrew geheim halten – sogar eines Co-Regisseurs.  Sie und ihre Familien fürchten noch immer die Rache der Todeskommandos.  

Fünf Jahre Recherche und Gespräche mit über 40 Tätern brauchte es, bis Oppenheimer in Anwar Congo, dem Chef einer berüchtigten Todesschwadron, den richtigen Protagonisten fand. Zwei Jahre wurde immer wieder mit ihm gedreht. Oppenheimers Strategie – im Stil des »Cinéma Vérité« – war es, die Täter Ereignisse und Szenen spielen zu lassen. Denn: sie waren Filmliebhaber. So beschäftigten sie sich also intensiv mit ihrer Geschichte – und stellten sich ihr auch. Anwar Congo spielte am Anfang den Coolen, der nach der Re-Inszenierung der Tötung mit Drahtschlinge anfing zu tanzen, zwei Jahre später wurde ihm regelrecht schlecht dabei. Sein Körper reagierte auf die Erinnerung. Die Inszenierung der Realität war wirklicher geworden, als es die Taten für die Männer je waren. Es ist  ein Film über einen Mann, der den Worten nicht mehr traut, die er zusammenlügt. 

Für Joshua Oppenheimer ist das Böse ein Teil unserer Normalität. Der chronologische Schnitt entspricht einer archäologischen Grabung. Der für Indonesien so br isante Film löste eine immense gesellschaftliche Debatte aus. Das Schweigen war gebrochen. Oppenheimers großes Vorbild Dušan Makavejev nannte den Film »ein absolutes und einzigartiges Meisterwerk«. Errol Morris, der für seine Inszenierungen bekannt ist,  bezeichnete ihn als »eine außergewöhnliche Darstellung des Genozids«. Für den Koproduzenten Werner Herzog ist es ein beispielloser Film: »Einen derart kraftvollen, surrealen und erschreckenden Film habe ich seit mindestens einem Jahrzehnt nicht gesehen.« »The Act of Killing« war für den Oscar nominiert und gewann zahllose Auszeichnungen wie 2013 den Europäischen Dokumentarfilmpreis. 

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Kinostart:31.08.2012
14.11.2013 in Deutschland
weitere Titel:
The Act of Killing fi nb fa jv eu ast
Jagalid
Scena zbrodnipl
L'atto di uccidere
杀戮演绎zh zh-hans
액트 오브 킬링ko
দ্য অ্যাক্ট অফ কিলিংbn
فعل القتل
殺戮演繹yue
アクト・オブ・キリング
Акт убийства
殺人凶戲zh-hk
殺人一舉zh-hant
Акт на убийствоbg
Genre:Dokumentarfilm
Herstellungsland:Vereinigtes Königreich, Norwegen, Dänemark
Originalsprache:Indonesisch
Farbe:Farbe
IMDB: 31
Verleih:Det Danske Filminstitut
Offizielle Webseite:theactofkilling.com
Regie:Joshua Oppenheimer
Produzent:Signe Byrge Sørensen
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Rezensionen:

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