München in Indien

2013
Rezension zu München in Indien
Thomas Schneider
Thomas Schneider
Online-Redakteur im Haus des Dokumentarfilms

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte die Kunstmalerei einen gewaltigen Umbruch zur Moderne hin. Das Publikum erfreute sich - was oft gleichbedeutend war mit schockiert sein - an impressionistischen, expressionistischen und anderen avantgardistischen Seherlebnissen. Dass neben den Veränderern der Kunst auch solche Maler weiter - durchaus erfolgreich - am Kunstmarkt existierten, die an einer traditionellen Darstellungskunst festhielten, hat man heute fast vergessen.

Ihre Namen und Bilder jedenfalls sind neben den Renoirs und Marc, neben den Kandinskys und Munchs untergegangen, ihre Arbeiten in Vergessenheit geraten. Auch der Kunstmaler Hannes Fritz-München (1896-1981) gehört zu ihnen. Doch nun erinnert der Dokumentarfilm »München in Indien« an diesen Mann. Absicht von Filmemacher Walter Steffen ist es dabei nicht, einen vergessenen Großkünstler für die Nachwelt zu entdecken, sondern ein durchaus interessantes Stück über Zeitgeschichte abzuliefern.

Der Film erzählt die Lebensgeschichte des Malers, der es zeitweise zu Reichtum und Ruhm brachte - und zwar in Indien, wo er reiche Maharadschas portraitierte. Später verlor er sein Vermögen und versucht als Nationalsozialist einen Neustart. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte er aufgrund seiner Kunstfertigkeit und seines Geschäftssinnes erneut überschaubaren Wohlstand. Als Künstler aber wurde er vergessen.

Walter Steffen erzählt die Lebensgeschichte des Mannes auf durchaus interessante Art. Er konnte dabei auf Originalaufnahmen zurückgreifen, die Fritz-München selbst gedreht hatte, denn der umtriebige Künstler war auch ein begeisterter Filmamateur. Der Dokumentarfilm »München in Indien« vergleicht dieses alte Filmmaterial mit neuem - und das ist der besondere Reiz des Filmes. Denn die Schönheit Indiens, die sich auch in den Ölbildern des Künstlers wiederfinden, haben sie versucht, mit Kameras des digitalen Zeitalters einzufangen.

So ist »München in Indien« eine Kunst-, Reise- und Zeitgeistdokumentation, die keine Neuentdeckung für Kunstforscher bietet, wohl aber zeigt, welche Imaginationskraft auch ein Dokumentarfilm vermitteln kann. Hier vereinen sich zwei Blicke auf Indien, die aus zwei Zeitebenen stammen - eine dokumentarische Kunstreise in die Filmarchive und eine Reise nach Indien, um die Motive von einst nachzustellen.

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Kinostart:03.01.2013
03.01.2013 in Deutschland
weitere Titel:
München in Indien
Munich in India
Genre:Dokumentarfilm
Herstellungsland:Deutschland, Indien
Originalsprache:Deutsch, Englisch
IMDB: 6
Offizielle Webseite:www.muenchen-in-indien.de
Regie:Walter Steffen
Drehbuch:Walter Steffen
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Rezensionen:

Datenstand: 24.01.2020 05:37:59Uhr