Blacktape

2015

Blacktape ist eine deutsche Mockumentary von Sékou Neblett aus dem Jahr 2015. In dem Film gehen die Protagonisten Marcus Staiger, Falk Schacht, Neffi Temur und der Regisseur selbst auf die Suche nach dem fiktiven Rapper „Tigon“.

Quelle: Wikipedia(deutsch)
Rezension zu Blacktape
Thomas Schneider
Dr. Kay Hoffmann
Filmpublizist und wissenschaftlicher Leiter im Haus des Dokumentarfilms

Auf die Spuren des deutschen Hip-Hop begibt sich der Ex-Rapper von Freundeskreis Sékou Neblett in seinem Debütfilm »Blacktape«. Unterstützt wird er dabei vom ehemaligen Viva-Redakteur Falk Schacht und dem Ekzentriker Marcus Staiger vom ehemaligen Berliner Label Royal Bunker. Die beiden sind Urgesteine des deutschen Hip-Hop Journalismus.

Der Film vereint also viel Sachverstand und Insiderwissen, um zum einen die Geschichte dieser Musikrichtung nachzuzeichnen, zum anderen jedoch vor allem auf die Suche nach dem Hip-Hop-Pionier Tigon zu gehen. Er soll 1986 in einer legendären Aktion in Heidelberg auf die Bühne eines Casinos in den amerikanischen Champbell Barracks gestürmt sein, um deutschen Hip-Hop zu singen. Dies hat damals einen regelrechten Tumult ausgelöst, da natürlich zunächst nur englisch gerappt wurde. Die Verwendung deutscher Texte und ein entsprechenden Rhythmus mussten sich erst entwickeln. Die Plattenfirmen waren sehr skeptisch bei deutschen Texten. Hip-Hop ist ein sehr persönlicher Stil, der in der Muttersprache präsentiert werden muss. Wie Detektive begeben sich die Drei auf die Jagd nach dem Phantom, der Marcus Staiger immer wieder neue Nachrichten und Hinweise gibt. Aber die Drei sind nicht immer einig und gerade zwischen Staiger und Schacht gibt es immer wieder Reibereien vor laufender Kamera. Sie haben wohl auch zu unterschiedliche Motive, nach Tigon zu suchen. So spielt der Film mit der Wirklichkeit und man kann nie sicher sein, was daran fiktionale Elemente sind.

Ob sie letztlich erfolgreich sind, sei hier nicht verraten. Aber bei ihrer Jagd treffen sie zahlreiche Wegbegleiter und tauchen so in die Geschichte des Hip-Hop ein. Beeinflusst wurde der Hip-Hop stark von den farbigen amerikanischen GIs. Zentren waren daher zunächst Städte wie Heidelberg, Stuttgart, Frankfurt; Hamburg und Berlin kamen später hinzu. Zu den Pionieren gehörten in Stuttgart »Die Fantastischen Vier«, die 1991 ihr erstes Hip-Hop-Album veröffentlichten. Es gab Überschneidungen mit Breakdance und der Graffiti-Szene. Oft hatten die Texte politische Aussagen und Staiger bekämpft bis heute die Kommerzialisierung dieser Musikrichtung. Er liebt es als Provokateur aufzutreten, hat sich so viele Feinde gemacht und das hat die Dreharbeiten nicht immer einfach gemacht.

Sékou Neblett gehörte früh zur Bewegung und für ihn ist Hip-Hop etwas Neues gewesen: »Die Gruppe Jungs hat einer ganzen Generation ihre Sprache zurückgegeben. Es war das erste Mal, dass eine große Menge Jugendlicher gesagt hat: Wir identifizieren uns mit den Bands. Es war anders als beim Krautrock oder bei der Neuen Deutschen Welle. Da schwang immer eine gewisse Ironie mit, ein Augenzwinkern.«
Dem Regisseur ist eine Huldigung des Hip-Hop gelungen, die deutlich macht, welchen Einfluss diese Musikrichtung auf die Kultur in Deutschland hatte.

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Kinostart:03.12.2015 in Deutschland
weitere Titel:
Blacktape
Genre:Dokumentarfilm
Herstellungsland:Deutschland
Originalsprache:Deutsch
Farbe:Farbe
IMDB: 84
Offizielle Webseite:www.camino-film.com
Regie:Sékou
Drehbuch:Gregor Eisenbeiss
Sékou
Schnitt:Sanjeev Hathiramani
Darsteller:Max Herre
Thomas D
Eko Fresh
Afrob
Marcus Staiger
Falk Schacht
Joy Denalane
Samy Deluxe
Marteria
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Rezensionen:

Datenstand: 20.02.2019 18:19:32Uhr