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Wie der Südwesten gleichberechtigt wurde

Sonntag, 08.03.2020 10:45 Uhr
SR
Sonntag
08.03.2020
10:45 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Es war eine wundersame Welt, mit klar verteilten Rollen. Die Männer, damals auch das starke Geschlecht genannt, verdienten das Geld, besuchten regelmäßig den Stammtisch oder den Fußballplatz und selbstverständlich saßen sie am Steuer, sei es im Auto, in der Politik oder der Wirtschaft. Frauen konnten höchsten "mitarbeiten" und hatten sich um alle häuslichen Belange zu kümmern. Mit alten Originalfilmausschnitten aus den Archiven dokumentiert der Film von SWR Autor Claus Hanischdörfer einen zeitgenössischen Blick auf die Geschlechterbeziehung zwischen 1949 und dem Ende der 1970er Jahre.

Mann und Frau sind gleichberechtigt - so steht es seit 1949 im Grundgesetz. Aber was hat sich in Sachen Gleichberechtigung in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland getan, seit Artikel 3 Absatz 2 1949 im Grundgesetz verankert wurde?

Der Film geht auf Zeitreise, taucht in die Archive des Südwestrundfunks ein und offenbart auf unterhaltsame Weise eine komisch-absurde und doch seltsam vertraute Welt, erzählt von Hausfrauen und Paschas und auch von Hausmännern und Emanzen, von festgefahrenen Rollenklischees und dem Aufbruch in neue Zeiten.

Beginnend in den 1950er Jahren, als die Männerwelt noch in Ordnung war: Die Frau am Herd und bei den Kindern, der Mann als Versorger lässt sich im Sessel bedienen. Obwohl es schon damals starke Frauen im Südwesten gab, blieb für sie oft nur, zu heiraten und Kinder zu kriegen. Das sollte sich dann in den 1960er und 1970er Jahren ändern. Der Kampf der Geschlechter tobte. Zum Beispiel, wenn Männer ihre Frauen von der Arbeitswelt fernhalten wollten. Erst 1977 durfte die Frau einen Job annehmen ohne die Erlaubnis ihres Gatten. Besorgte männliche Bürger sehen Anfang der 1960er Jahre die arbeitende Mutter tatsächlich als "ein Verbrechen an der Zukunft unseres Volkes". Ebenfalls sehr rigoros: Der DFB verbietet in den 1950er Jahren den Frauenfußball.

Die Unterdrückung der Frau beherrscht der Mann aber auch ganz subtil: Als die Hausfrauen in den 1960er Jahren genug von ihrer Rolle am Herd und auf dem Kinderspielplatz haben, schaffen ihnen die Männer eine neue Aufgabe, von welcher sie auch profitieren: die Frau sollte schön sein. Kosmetikprodukte, Schönheitssalons, Misswahlen und erotische Titelblätter boomen - die sexuelle Ausbeutung der Frau ist in vollen Gange.

Mit der sexuellen Revolution erwacht auch das Selbstbewusstsein der Frauen und das althergebrachte Rollenverständnis gerät ins Wanken. "Wie der Südwesten gleichberechtigt wurde" gibt Einblick in eine Epoche, die viele Zuschauerinnen und Zuschauer noch erlebt haben und die spätere Generationen nachhaltig geprägt hat. Ein Blick in die Mottenkiste der Emanzipation, manchmal erschreckend, oft absurd-komisch und verbunden mit der Erkenntnis: Echte Gleichberechtigung ist auch heute längst nicht geschafft. 06.08.2016 SWR/SR

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 08.03.2020 um 10:45 Uhr auf SR.

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Dokumentation/Reportage, Politik, Geschichte, Gleichstellung