Trailer
Bewertungen im Detail
Auf anderen Plattformen
Rezension zu Bowling for Columbine
Der amerikanische Filmemacher Michael Moore war Anfang des neuen Jahrhunderts ein Phänomen. Mit seinen sehr subjektiven, provokativen Filmen prägte er einen neuen Stil. Seine USA-kritischen Tönen brachten Patrioten zur Weißglut. Er wurde heftig attackiert und man warf ihm Manipulation vor. Nach seiner Karriere als Journalist war sein Debütfilm »Roger & Me« (1989). Erprobt hat er seinen Stil Mitte der 1990er Jahre in seiner Show »TV Nation«. In Europa und insbesondere in Deutschland wurde er für seine Kritik der USA gefeiert und erreichte ein Millionenpublikum.
Auf den ersten Blick gibt er den naiven, dicken Tölpel. Doch wie vielschichtig seine Filme sind, dass bewies vor allem »Bowling for Columbine «, der nach 46 Jahren der erste Dokumentarfilm war, der in Cannes zum Wettbewerb eingeladen wurde und 2003 den Oscar als Bester Dokumentarfilm sowie zahlreiche weitere Filmpreise gewann. Die Oscar-Verleihung nutzte Moore für einen scharfen Angriff auf US-Präsident George Bush wegen des Irak-Krieges. Vordergründig geht es in seinem Film um den Amoklauf in Columbine, wo zwei Schüler zwölf ihrer Mitschüler und einen Lehrer erschossen. Wie ist so etwas möglich? Die laxen Waffengesetze und die große Verbreitung von Schusswaffen in den USA sind sicher eine Ursache. Bisher ist noch jeder Präsident an der Waffen-Lobby gescheitert, diese Gesetze zu verschärfen. Doch Moore forschte weiter. In Kanada gibt es fast gen auso viele Waffen, doch kaum Tote.
Als Resultat seiner Recherche identifiziert er die Angst der Amerikaner als eigentliche Ursache des Problems. Diese Argumentationskette in knapp zwei Stunden zu entwickeln und durchaus packend zu erzählen, ist meisterlich gelungen. Mit »Bowling for Columbine« und »Fahrenheit 9/11« wurde Moore zum Medienstar, der sich auch mit Vorträgen und Büchern
multimedial erfolgreich vermarktet. Allerdings ist seine Strahlkraft inzwischen etwas verblasst. Trotz einer fulminanten Europapremiere im Friedrichstadtpalast während der Berlinale 2016, bei der sich das Publikum »totlachte«, verlor sich sein neuer Film »Where to invade next« im Kino in der Nachmittagsschiene und ging völlig unter. Auf der Berlinale lobte Michael Moore in einer Video-Botschaft die Großzügigkeit und Gastfreundschaft der Deutschen gegenüber den Kriegsflüchtlingen, die weltweit ein Vorbild seien. Es seien Probleme, die die Amerikaner mit ihrer verfehlten Politik der Einmischung geschaffen hätten und deren
Konsequenzen die Deutschen nun ausbaden müssten.
11.10.2002
21.11.2002
2001
