Alphabet

2013

Alphabet ist ein österreichischer Dokumentarfilm, der ein kritisches Licht auf die zunehmende Konkurrenz in der Bildung wirft.

Der 2013 veröffentlichte Film ist nach We Feed the World und Let's make money der dritte österreichische Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer. Kinostart war in Österreich der 11. Oktober 2013, in Deutschland der 31. Oktober 2013.[2]

Quelle: Wikipedia(deutsch)
Rezension zu Alphabet
Thomas Schneider
Thomas Schneider
Online-Redakteur im Haus des Dokumentarfilms

Die deutsche Sprache kennt 30 Buchstaben und ist trotz ihrer von Nord nach Süd unterschiedlichen Grammatik leicht zu erlernen. Das Alphabet stellt eine Grundordnung unseres Zusammenlebens. Das Grundmuster Alphabet hat auch der österreichische Filmemacher Erwin Wagenhofer als Thema seines neuen Dokumentarfilmes gewählt. Doch schon der Untertitel »Angst oder Liebe« lässt erahnen, dass Wagenhofer nicht PISA und andere Konkurrenz-Mess-Instrumente der modernen Bildungswelt als Leitbild seines Filmes nimmt. Er fragt sich vielmehr, wieso das Ziel der Bildung ist, »der Beste zu werden«. Ist Glück nicht ein viel größerer Erfolg?

Als Autorenfilmer ist der Österreicher Erwin Wagenhofer wie viele seiner Kollegen weitgehend ein Ein-Mann-Unternehmen. Seine Durchschlagskraft kann deshalb weniger in der Anzahl seiner Filme gemessen werden, als an ihrer Wirkung. Und darin unterscheidet sich Wagenhofer von vielen seiner Kollegen: er ist, gemessen an diesem Index, erfolgreich. Seine beiden Filme »We feed the world« und »Let's make money« gehören zu den wichtigsten Dokumentarfilmen der Nuller Jahre dieses Jahrhunderts. Und sie haben Themen vorweg genommen und gleichsam einer tiefgehenden Erklärung zugeführt, an der unsere Gesellschaft heute noch krankt.

Umweltzerstörung, Globalismus, Ressourcenvernichtung, die Finanzkrise - wer wissen will, wieso das westliche, kapitalistische System knirscht, der muss nur bei Wagenhofer nachsehen. Mit seiner Meinung ist er stets direkt. Einem Vertreter des Finanzsystems hat er kürzlich in einem Interview des Österreichischen »Standard« entgegengefeuert, dass am Kommunismus ja per se nichts Schlimmes sei. Wer, bitteschön, wagt sich, das heute noch so zu sagen?

Auch beim Branchentreff DOKVILLE 2013, wo Wagenhofer die Keynote-Ansprache hielt, kam der Österreicher schnell auf die Punkte, die aus seiner Sicht in unserer profitorientierten Gesellschaft im Argen liegen. »Wir leben ja in einer völlig visionslosen Zeit«, sagte er. Und weiter: »Mehr Wachstum ist so ein stupides Ziel, mehr Quote, auf jeden Fall mehr, also Quantität. Wiewohl wir wissen, dass dieses mehr und mehr und mehr auf lange Sicht kaum jemanden glücklich gemacht hat und eine Krise nach der anderen produziert.«

Auch sein jüngstes Filmprojekt - nach fünf Jahren und einem zwischendurch realisierten Spielfilm der erste Dokumentarfilm seit 2008 - stellt vieles in Frage. Diesmal will Wagenhofer aber nicht über die Symptome einer Krankheit berichten, sondern über ihre Ursachen. Seine These: »Wir leben in Zeiten der großen Umbrüche, Krisen und Orientierungslosigkeit. Jetzt müssen wir uns entscheiden, wo wir hinwollen. Dazu braucht es eine neue Beziehungskultur und ein neues Denken.«

In der Form der bisherigen Menschenbildung sucht Wagenhofer nach den Ursachen für ein falsches Denken, das später zu angepassten Menschen und mutlosem Handeln führt. Gegen die Standardisierung in der Bildung will er ein neues Alphabet setzen, das sich an dem Potential jedes Menschen orientiert.

Über sein Filmprojekt berichtet Wagenhofer bereits umfangreich auf einer eigenen Website (Link am Ende des Artikels). Zur Realisierung hat er sich zwei starke Produktionsfirmen gesucht, die ihm als Filmemacher die künstlerische Freiheit gewähren. Der Film wird von der österreichischen Prisma Film- und Fernsehproduktion GmbH aus Wien realisiert. Als deutscher Koproduzent beteiligte sich Peter Rommel (u.a. »Wolke 9« und »Halt auf freier Strecke« von Andreas Dresen). Förderungen erhielt das Projekt unter anderem vom Filmfonds Wien, von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg und dem Medienboard Berlin-Brandenburg. Auch der ORF hat sich als Sender beteiligt.

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Kinostart:31.10.2013
31.10.2013 in
weitere Titel:
Alphabet
Genre:Dokumentarfilm
Herstellungsland:, Österreich
Originalsprache:Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Mandarin
Farbe:Farbe
IMDB: 745
Offizielle Webseite:www.alphabet-derfilm.at
Regie:Erwin Wagenhofer
Drehbuch:Erwin Wagenhofer
Kamera:Erwin Wagenhofer
Musik:Arno Stern
Produzent:Peter Rommel
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Rezensionen:

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Datenstand: 20.06.2019 00:57:42Uhr