Searching Eva

2019

Seitdem sie 14 Jahre alt ist, lebt Eva Collé ein öffentliches Leben ohne jegliche Privatsphäre, denn alles was sie macht, stellt sie online auf ihren Blog. Mit 17 zieht sie aus ihrer Heimatstadt in Italien nach Berlin. Mittlerweile ist sie schon längst ein Internet-Star und in der Welt der Blogger sehr bekannt. Was zwar zur Unterhaltung dient, ist in Wirklichkeit ein Leben aus Koffern und eine ständige Suche nach der wahren Identität.

Rezension zu Searching Eva
Thomas Schneider
Dr. Kay Hoffmann
Filmpublizist und wissenschaftlicher Leiter im Haus des Dokumentarfilms

Pia Hellenthal präsentierte mit »Searching Eva« ihren Debütfilm nach dem erfolgreichen Studium an der KHM in Köln. Für ihre Hochschulfilme erhielt sie einige Auszeichnungen und ihr aktueller Film wurde mit einem Gerd Ruge Stipendium gefördert. Im Zentrum steht mit Eva eine junge Frau, die sich ganz dem digitalen Leben gewidmet hat. Eigentlich Italienerin, lebt sie nun in Berlin. In ihrem Blog inszeniert sie sich immer wieder neu und gibt anderen Lebenstipps. Die moderne Nomadin schlüpft in viele Rollen, ob nun Sexarbeiterin, Model, Feministin oder queere Autorin. Pia Hellenthal und ihr Team haben sie zweieinhalb Jahre begleitet und in verschiedenen Situationen, ob bei der Arbeit, in der Familie, beim Drogenkonsum oder auf Reisen gedreht. Dabei begibt sie sich auf eine Gratwanderung zwischen dokumentarischer Beobachtung und Inszenierung, denn Eva liebt es, ihre verschiedenen Rollen vor der Kamera zu präsentieren. Dies geschieht oft in regelrechten Tableaus, die wie Ruhepausen wirken. Ihre Aktivitäten im Internet werden auf ihre Kommunikation mit ihren Followern reduziert, die als Schrifteinblendungen erzählt werden. Der Schnitt dauerte rund ein halbes Jahr und dort wurden wichtige Entscheidungen für die Gestaltung dieses Porträts gefällt. Das Publikum im Panorama war hingerissen und euphorisch über diesen Film, als ein großer Teil des Teams sowie Eva und ihre Mutter vorgestellt wurden. Meiner Ansicht nach ist es dem Film jedoch nicht gelungen, Eva wirklich nahe zu kommen. Dafür lässt sie sich zu sehr treiben und weiß letztlich nicht, was sie eigentlich vom Leben will. Dies zeigt sich auch in ihren zahlreichen Tätowierungen, die wie Stückwerke spontaner Einfälle erscheinen und ebenfalls kein Gesamtbild ergeben. Vielleicht ist aber auch gerade dies typisch für die Unentschiedenheit in einer digitalen Gesellschaft. Der Dokumentarfilm also wirklich als Seismograph der Welt.

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Kinostart:11.02.2019 in Internationale Filmfestspiele Berlin
14.11.2019 in Deutschland
weitere Titel:
Searching Eva
Genre:Dokumentarfilm
Herstellungsland:Deutschland
Originalsprache:Deutsch
IMDB: 91
Offizielle Webseite:searchingeva.com
Regie:Pia Hellenthal
Drehbuch:Pia Hellenthal
Giorgia Malatrasi
Kamera:Janis Mazuch
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Rezensionen:

Datenstand: 14.11.2019 16:57:06Uhr