Wiedersehen mit Brundibár

2014

Quelle: Wikipedia(deutsch)
Rezension zu Wiedersehen mit Brundibár
Thomas Schneider
Dr. Kay Hoffmann
Filmpublizist und wissenschaftlicher Leiter im Haus des Dokumentarfilms

Der bekannte Dokumentarfilmer Douglas Wolfsperger (»Die Blutritter«, »Der lange Weg ans Licht«, »Der entsorgte Vater«) hat mit seinem neuen Dokumentarfilm »Wiedersehen mit Brundibar« einen eindrücklichen Film geschaffen, in dem es vor allem darum geht, wie sich die jüngere deutsche Generation der Geschichte stellt. Das anfängliche Desinteresse an den Ereignissen lange bevor sie geboren wurden, weicht bei den jugendlichen Akteuren einem Verständnis. Der Filmemacher haben das in starken Bildern festgehalten. Beim Filmfest Biberach wurde der Film mit dem Goldenen Biber als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet und er ist gerade in die Endrunde für den deutschen Filmpreis nominiert worden.

 

Holocaust? Nicht schon wieder. Das ist in etwa die erste Reaktion der Jugendtheatergruppe der Berliner Schaubühne, als klar wird, dass als nächstes die Kinderoper „Brundibar“ gespielt werden soll. Und tatsächlich sind die Hintergründe um diese Kinderoper keine leichte Kost. Sie wurde in Prag geschrieben, hatte seine Premiere aber im Ghetto Theresienstadt. Dort wurde sie von Kindern über 50 Mal aufgeführt. Theresienstadt war für die Nationalsozialisten ein Vorzeige-Konzentrationslager. Hier entstanden zwei NS-Propagandafilme, die zeigten, wie gewöhnlich der Alltag war. Auch eine Aufführung der Oper »Brundibar wurde in einem der Filme gezeigt.

Als die Berliner Jugendlichen nach Theresienstadt reisen, geraten sie dort aber doch langsam in den Sog der Geschichte, die sie bisher so herzlich wenig interessierte. Das liegt nicht zuletzt an ihrer Mitreisenden Greta Klingsberg, einer charismatischen alten Dame aus Israel, die eine der wenigen Überlebenden der Originalbesetzung von »Brundibar« ist und den Jugendlichen die Scheu vor den Schrecken der Vergangenheit nimmt. Schnell wird klar, dass sie mehr verbindet, als ihnen bewusst war, und zur »Brundibar«-Premiere in der Schaubühne sitzt Greta im Publikum, tief berührt von der Darstellung ihrer Freunde in »ihrem« Stück. 

Der Filmemacher, der sowohl im Spiel- als auch Dokumentarfilm zu Hause ist, hat das Projekt selbst initiiert. Er begleitet die Theatergruppe »Die Zwiefachen« an der Berliner Schaubühne bei ihren Proben zur Kinderoper »Brundibar«. Greta Klingsberg spielte damals eine der Hauptrollen als junges Mädchen und gehört zu den wenigen der Gruppe, die den Holocaust überlebt haben. Heute strahlt sie ein besonderes Charisma aus, ist sehr offen, erzählt aus ihrem Leben und diskutiert mit den Berliner Jugendlichen, wie es damals war. Zusammen fahren sie nach Terezin, dem ehemaligen Theresienstadt, und entdecken dort zusammen die Geschichte. Das Interesse der Jugendlichen wird geweckt. Der Holocaust verliert seine Abstraktheit, es wird die Neugier der Akteure geweckt. Die Kamera von Frank Amann und Igor Luther fängt sehr anrührende Gespräche zwischen ihnen in starken Bildern ein.

Beispielsweise räkeln sich Greta und Annika auf einem satt grünen Rasen neben dem Friedhof in Theresienstadt. Sie werden dabei von oben gefilmt. Solch eine Situation ergibt sich nicht von allein, sondern muss sorgfältig geplant werden. Bei den Gesprächen fungierte der Regisseur als Stichwortgeber. Es entwickeln sich Freundschaften. Greta kommt zur Premiere und Annika und Ikra besuchen sie nach einem halben Jahr in Israel.

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Kinostart:04.12.2014
04.12.2014 in Deutschland
weitere Titel:
Wiedersehen mit Brundibár
Genre:Dokumentarfilm
Herstellungsland:Deutschland
Originalsprache:Deutsch
Farbe:Farbe
IMDB: 5
Offizielle Webseite:www.brundibar-derfilm.de
Regie:Douglas Wolfsperger
Drehbuch:Douglas Wolfsperger
Kamera:Frank Amann
Igor Luther
Schnitt:Frank Brummundt
Produzent:Douglas Wolfsperger
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Rezensionen:

Datenstand: 17.11.2019 23:38:44Uhr