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Rezension zu Iraqi Odyssey
»Iraqi Odyssey« ist sozusagen Samirs Opus Magnum. Der Film erzählt zum einen die sehr komplexe Familiengeschichte eines großen Clans. Sein Großvater war Anfang der 1960er Jahre eine zeitlang Agar-Minister im Irak. Er hatte viele Söhne und Töchter, die wiederum selbst sehr viele Kinder bekamen. Sie sind inzwischen auf der ganzen Welt verteilt in Europa, in den USA, Neuseeland und im Irak. Aus der rund 50-köpfigen Großfamilie greift Samir einige heraus und geht ausführlicher auf ihre persönlichen Lebensgeschichten ein. Doch darin spiegelt sich immer auch die Geschichte des 20. Jahrhunderts - vor allem des arabischen Raums. Von daher geht der Film weit über die persönliche Geschichte hinaus.
Inzwischen sind über fünf Millionen Iraker von dort geflohen. Samirs Familie ist symptomatisch für dieses Land und läßt die aktuelle Flüchtlingsdiskussion in neuem Licht erscheinen. Gezeigt wird nämlich die persönliche Motivation, sich überhaupt auf dieses Risiko einzulassen.
Der Film, dessen Entwicklung und Recherche nach historischem Filmmaterial sieben Jahre dauerte, ist in 3D gedreht. Dies überrascht zunächst für einen Film, der mit alten Filmen, Fotos und Interviews arbeitet. Es war auch nicht von Anfang an so geplant, sondern die Idee entwickelte sich langsam. Samir nutzt die neue Technik auf andere Art und Weise, die »Iraqi Odyssey« zu einem außergewöhnlichen Ereignis macht. Denn er spielt mit dem Raum, um die vielschichtigen Informationen zu strukturieren. Wie schon in seinem frühen »Babylon 2« (1994) kontrastiert er die Interviewten mit historischen Aufnahmen und Fotos im selben Bild. Er spielt mit unterschiedlichen Formaten und Größen. Vor allem nutzt er den Raum für Textinformationen, die er bewußt auf verschiedene Ebenen stellt. Dies mag vielleicht etwas akademisch klingen, funktioniert jedoch ausgezeichnet. Das Premierenpublikum in Berlin war begeistert und feierte Samir, sein Team und seine Protagonisten mit lang anhaltendem Applaus.
Bei den Recherchen wurde offensichtlich, dass es im Irak nach den vielen Umbrüchen und Kriegen kaum noch Filmmaterial gibt. Fündig wurde das Team in verschiedenen Filmarchiven in England, den USA und Moskau, denn die Großmächte interessierten sich immer schon für den arabischen Raum und es war vor gar nicht so langer Zeit eine britische Kolonie. Wie erwähnt sind Millionen Iraker geflohen und bilden heute eine globale Community. Mit dem Film startet Samir ein Online-Projekt um eine globale irakische Web Community aufzubauen (www.iraqiodyssey.com). Dort finden sich Informationen zu seinem Film, der ihm eine Herzensangelegenheit ist, auf einer Timeline kann man die irakische Geschichte recherchieren und die eigenen Geschichten, Filme und Fotos einbringen. So könnte über die Jahre ein virtuelles Filmarchiv des Irak entstehen und die unglaublichen Verluste zumindest teilweise ausgleichen.
29.09.2014 Zurich Film Festival
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15.10.2015
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03.02.2016 Romandie
