

Sie leben in Kolonien, kommen aus Ost- und Nordeuropa, um hier zu überwintern: Saatkrähen. Und sie bleiben auch gerne, um hier zu brüten.
Kalbe in Sachsen-Anhalt hat ein Problem. Hunderte solcher Rabenvögel bevölkern den Stadtpark der Kleinstadt an der Milde. Es sind gut fünfhundert Brutpaare, die die Anwohner regelrecht terrorisieren. "Alles ist vollgeschissen. Tag und Nacht dringen die Krähenrufe sogar durch die geschlossenen Fenster. Man findet keine Ruhe mehr", sagt Anwohnerin Sigrid Gassel.
Kalbe ist nur ein Schauplatz. Riesa und Zerbst vermelden ähnliche Szenarien. Es ist verboten, die Tiere zu töten, zu fangen oder ihre Nester während der Brutzeit zu zerstören. Das bedeutet aber, dass sie sich ungehindert vermehren können.
Seitdem die Saatkrähe unter Naturschutz steht, nimmt die Population zu. Derzeit leben bis zu 89.000 Saatkrähen-Brutpaare in Deutschland - Tendenz steigend.
Besonders beliebt sind dabei die innerstädtischen Parkanlagen. Diese bieten den Krähen Schutz und sind an kalten Tagen wärmer als Felder und natürliche Freiflächen. Außerdem gibt es in der Stadt immer ausreichend Nahrung. Krähen bedienen sich aus Mülleimern und picken die Reste rund um Cafés und Restaurants. Und in Straßennähe finden sie Aas, wie zum Beispiel überfahrene Igel oder Katzen.
Während die Naturschutzorganisationen wie der NABU die Rückkehr der Saatkrähen begrüßen, würden die betroffenen Anwohner in Kalbe sie am liebsten aus den Bäumen schießen. Versuche, die Tiere umzusiedeln oder zu vertreiben, schlagen vielerorts fehl. Nur mit Greifvögeln gelingt es bisher, Krähenschwärme unter Kontrolle zu bringen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 28.06.2017 um 20:45 Uhr auf MDR.