

"Ein Bild entsteht eigentlich drei Mal: zunächst im Gehirn des Künstlers, als nächstes auf der Leinwand durch den Malprozess, und als drittes wieder im Gehirn des Betrachters", stellt Adi Hoesle fest und folgert daraus, dass es möglich sein müsste, die Leinwand als physisches Medium wegzulassen, Malerei von Gehirn zu Gehirn sozusagen. Auch wenn Galeristen und Kunstsammler von dieser Idee nicht allzu begeistert sein dürften, tüftelt der Künstler Hoesle zusammen mit Wissenschaftlern emsig an Verfahren und Methoden, allein durch seine Konzentration ein bestimmtes Motiv auf einem digitalen Display zu visualisieren.
"Es ist, als würde ich durch mein eigenes Gehirn surfen. Es ist eine ganz intensive Wahrnehmung meiner selbst. Als Künstler gefällt mir das natürlich. Mich fasziniert das Denken von Farbe, das Denken von Pinsel, das Denken von Form", schwärmt der Brain-Painter.
"Die Kunst emanzipiert sich vom Geschick oder Ungeschick der Hände und wir Ausdruck einer weltumspannenden zerebralen Aktivität. Das Atelier des dritten Jahrtausends ist der Kopf", meint Adi Hoesle und findet sich damit in bester Gesellschaft mit Wissenschaftlern, denen es kürzlich gelungen ist, einen Piloten ein Flugzeug im Simulator starten und landen zu lassen, ohne einen Steuerknüppel zu betätigen. Ob hier die Kunst die sprichwörtliche Avantgarde zu militärischen Einsätzen ist, wird sich zeigen.
Andererseits meinte der 2007 an der Krankheit ALS verstorbene Maler Jörg Immendorf: "Auf Brain Painting habe ich gewartet. Diese Option der Bildgestaltung könnte ganz neue Wege in der Malerei evozieren".
Von der Idee zum Kunstwerk ist es nicht immer ein leichter Weg - Kunstraum macht diesen Weg transparenter.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 05.05.2017 um 17:00 Uhr auf ARD alpha.