

Kein Land in Europa ist so geprägt vom ständigen Kampf mit der Nordsee. Vor allem im Süden, wo die Küste vorne von kilometerbreiten Meeresarmen unterbrochen und das Land dahinter von zahllosen Rheinarmen, von Maas und Schelde durchzogen wird, leben viele Menschen mit der ständigen Sorge vor dem Wasser. Schon die Schulkinder werden darauf vorbereitet, dass die Nordsee nicht nur schön, sondern auch gefährlich sein kann. "Wir leben im sichersten Flussdelta der Welt", sagt der Delfter Küstenforscher Marcel Stive, "aber wenn etwas schief geht, geht es richtig schief."
Stive arbeitet daran, dass die Deiche und Sturmflutwehre noch stabiler werden, noch sicherer, noch sturmfester. Dabei gelten die holländischen Deiche schon heute als die besten und sichersten. Doch für Küstenforscher Stive bleibt es eine zentrale Frage, ob die Niederländer auch in 50 oder 100 Jahren noch in ihrer Heimat leben können. Ob es gelingt, dem Klimawandel und dem Anstieg der Meeresspiegel Paroli zu bieten? Zu vertretbaren Kosten, wie er sagt.
Die allermeisten Niederländer haben daran keinen Zweifel. Sie vertrauen darauf, dass den Ingenieuren schon etwas einfallen wird. So wie ihnen bisher immer etwas eingefallen ist. Zum Beispiel Häuser, die zwar fest auf dem Boden stehen, bei Hochwasser aber schwimmen können. Solche Häuser gibt es inzwischen, und ihre Bewohner fühlen sich nicht nur besonders sicher, sie genießen auch die Möglichkeit, unmittelbar am Wasser zu wohnen. Denn normale Häuser dürfen in den Niederlanden nur hinterm Deich gebaut werden.
Für die Strandräuber auf den Wattinseln im Norden kommen solche Häuser nicht infrage, das Meer ist dort oben einfach zu rau. Maarten Brugge, einer der Strandräuber von Texel, mag die Nordsee, weil sie wild ist. Die stürmische See ist wichtig für das Lebensgefühl und sorgt dafür, dass aus dem Meer immer etwas angespült wird.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 25.04.2017 um 13:15 Uhr auf NDR.