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Der Letzte seines Standes?

Der Drehorgelbauer aus Grassau
Samstag, 11.02.2017 01:55 Uhr
ARD alpha
Samstag
11.02.2017
01:55 Uhr
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"Da nimmst ein paar Brettl und einen Papp´ndeckel und dann baust du´s zusammen und dann spielt es". So bringt Alois Blüml seine Kunst des Drehorgelbauens auf einen kurzen Nenner. In einem alten Bauernhaus, dem Zacherlhof im Chiemgau, steht alles voller merkwürdiger Gegenstände: Kisten, Kasten, Vogelkäfige, Gläser, manches sieht eher nach Gerümpel aus, aber alles hat irgendwie mit Musik zu tun. Mittendrin sitzt der Meister und dreht an einer Kurbel und die schönsten Melodien erklingen. Zu ihm kommen alle, Sammler, Museen, und solche die einfach nur seine Werke bewundern, er gilt als Kapazität in der Drehorgelszene. Wenn er erzählt, kann es passieren, dass er sich ganz unvermittelt ans Klavier setzt um eine musikalische Erklärung zu untermalen, dann fliegen seine Finger nur so über die Tasten. Die "Salon-Ariston" baut er wieder, den "Tanzbär", und wie sie alle heißen, die verschiedenen Drehorgeln. Noch bevor das Grammophon erfunden war, gab es Ende des vorvorigen Jahrhunderts hunderttausende dieser Kästen in den bürgerlichen Haushalten. Eine Lochscheibe von einem knappen halben Meter wurde in Drehung versetzt und sorgte für mechanische, musikalische Unterhaltung. Alois Blüml ist Meister in vielen Disziplinen: Konstrukteur, Schreiner, Schweißer, Dreher. Seine wichtigste Eigenschaft aber ist die nie endende Geduld. Blasebälge, Walzen und über 500 kleine Einzelteile montiert er in ein fein poliertes Holzgehäuse. Eine gute Woche vergeht bis alles so funktioniert, wie es dem hundert Jahre alten Vorbild entspricht. Auch das, was früher den besonderen Reiz dieser "Musik-Maschinchen" ausmachte, die auswechselbaren Lochscheiben oder - streifen kann Alois Blüml wieder herstellen. Da sitzt er dann auf seinem Dachboden und stanzt den Wunschhit des Kunden in ein endlos ausgerolltes Papierband. Natürlich musste er ihn vorher am Klavier in die "Sprache" der Drehorgeln umsetzen, was wieder einige Tage in Anspruch nimmt. Dass sie trotzdem eine gemeinsame Wurzel haben, der MP-3 Player unserer Tage, bei dem ein Mausklick genügt um ein neues Stück zu spielen und die Ariston, fasziniert und gibt der alten Drehorgel überraschende Aktualität.
Seit es Menschen gibt, stellen sie Werkzeuge und Gegenstände des täglichen Bedarfs mit ihren Händen her. Diese Handwerker haben durch die Jahrhunderte ihr Wissen über Herstellungsverfahren und Rohstoffbearbeitung verfeinert und an die nächste Generation weitergegeben. "Der Letzte seines Standes?" stellt aussterbende Handwerksberufe vor.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 11.02.2017 um 01:55 Uhr auf ARD alpha.