Mit 20, vor 11 Jahren also, sah ich eine Dokumentation über die Mosaikschule in Spilimbergo in Friaul. Die Schule sah aus wie ein Museum! Ich war fasziniert und habe mich beworben.
"Während der Sendung arbeite ich an einer Figur aus der Mosaikserie 'Perfect Strangers', die der brasilianischen Künstler Vik Muniz entworfen hat. Ich beginne damit, mir die benötigten Glassteine nach Farben aus unserem Materiallager auszusuchen und in Pappschalen auf meinem Arbeitstisch bereitzustellen. Dann bringe ich – passend zur Entwurfsvorlage – die ausgewählten Glassteine, sie heißen Smalten, mit einem speziellen, sehr scharfen Hammer, in die richtigen Formen.
Ich schlage sie mir auf dem Hackstock zu. Wenn ich die gewünschte Harmonie erreicht habe, verbinde ich die Steine mit einem Zementkleber mit dem Trägernetz. Darunter liegt zur Orientierung der Künstler-Entwurf in Originalgröße. Für dieses Mosaik haben wir vom Künstler und der Produktion völlige Gestaltungsfreiheit in Bezug auf Material, Form und Farbe bekommen. Für das Gesicht muss ich zwar den traditionellen Grundlagen und Gesetzen für Portraits folgen: Bewegungen, Richtungen, Schattierungen müssen stimmig sein, um einen bestimmten Gesichtsausdruck und die gewünschte Plastizität zu erreichen. Bei der Kleidung und den Accessoires dagegen bin ich in der Umsetzung absolut frei. Wichtig im Gesamtbild ist immer die Farbwirkung.
Sie muss einerseits in einem guten Gesamtverhältnis stehen, andrerseits muss ausreichend Kontrast vorhanden sein, um der Figur Tiefe, Lebendigkeit, Kontur und Charakter zu verleihen. Ich splitte dazu einzelne Farben auch in ihre Teil-Komponenten auf. Das wirkt von der Nähe betrachtet vielleicht befremdlich, löst sich aber in der Fernwirkung durch das Auge des Betrachters wieder auf. Und eben genau das ist der "Zauber" des Mosaiks!"
Bin ich zu langsam oder ist die Welt zu schnell? Die Beschleunigung des Alltags ist ein Phänomen unserer postmodernen Gesellschaft. Mit "MORA - Gib Dir echtZeit" setzt ARD-alpha dazu einen medialen Kontrapunkt. Das experimentelle Fernsehformat verdeutlicht: Schnelligkeit ist auch heutzutage weder allgegenwärtig, noch in jedem Fall erstrebenswert. Manche Dinge benötigen einfach ihre Zeit - und können gerade deshalb faszinieren!
"MORA" (lateinisch für "Verzögerung" oder "Aufenthalt") zeigt Menschen in Echtzeit bei der Arbeit, jeweils 45 Minuten lang, ohne Schnitt, ohne Kommentar und ohne Musikuntermalung. Zuschauerinnen und Zuschauer können dabei sowohl ihr Zeitempfinden als auch die eigene Sehgewohnheit hinterfragen, bei Bedarf entspannen - und "entschleunigen". MORA ist selbstbewusst-anderes Fernsehen und trägt so zur Orientierung in einer global vernetzten Gesellschaft bei.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 02.01.2017 um 21:00 Uhr auf ARD alpha.