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MORA

Gib Dir echtZeit - Die Cellobauerin
Mittwoch, 28.12.2016 17:15 Uhr
ARD alpha
Mittwoch
28.12.2016
17:15 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

"Ich arbeite an zwei Celli, die sich jeweils in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden. Bei dem ersten passe ich zuerst einen Stimmstock ein. Der Stimmstock ist ein rundes Fichtenhölzchen, das zwischen Decke und Boden eingeklemmt wird und mit dessen Position man auch den Klang am Instrument im Nachhinein noch verändern kann. Ich muss ihn zum Anpassen ein paarmal durch das f-Loch hindurch aufstellen und mit einem Zahnarztspiegel kontrollieren, wo noch Holz weggeschnitten werden muss.
Dazu mache ich mir dann auf meinem Zettel eine kleine Notiz, hole den Stimmstock wieder heraus uns schneide an der richtigen Stelle einen dünnen Span weg. Das mache ich so lange, bis er genau an die Innenwölbung passt. Im nächsten Arbeitsschritt passe ich den Steg, über den die Saiten später laufen sollen, an die Deckenwölbung an. Die Schnitzmesser, die ich dafür brauche, schärfe ich an der Maschine im Nebenraum selber. Nach einer Weile wechsle ich die Instrumente.
An dem dunkler-lackierten Cello, das ich erst vor kurzem fertiggebaut habe, feile ich die Kerben etwas tiefer ein, in denen dann die Saiten auf dem Steg aufliegen werden. So ist der Abstand zwischen Saite und Griffbrett geringer und der Spieler tut sich leichter, wenn er die Saite herunterdrückt. Ich benutze dafür eine Feile, die man "Mäuseschwänzchen" nennt. Ich ziehe die Saiten auf, spiele das Instrument kurz an, höre und fühle, ob noch alles genauso funktioniert und klingt wie beim letzten Anspielen. Dann widme ich mich wieder dem Steg des anderen Cellos und arbeite weiter an der Anpassung."
Bin ich zu langsam oder ist die Welt zu schnell? Die Beschleunigung des Alltags ist ein Phänomen unserer postmodernen Gesellschaft. Mit "MORA - Gib Dir echtZeit" setzt ARD-alpha dazu einen medialen Kontrapunkt. Das experimentelle Fernsehformat verdeutlicht: Schnelligkeit ist auch heutzutage weder allgegenwärtig, noch in jedem Fall erstrebenswert. Manche Dinge benötigen einfach ihre Zeit - und können gerade deshalb faszinieren! "MORA" (lateinisch für "Verzögerung" oder "Aufenthalt") zeigt Menschen in Echtzeit bei der Arbeit, jeweils 45 Minuten lang, ohne Schnitt, ohne Kommentar und Musikuntermalung.
Zuschauerinnen und Zuschauer können dabei sowohl ihr Zeitempfinden als auch die eigene Sehgewohnheit hinterfragen, bei Bedarf entspannen - und "entschleunigen". MORA ist selbstbewusst-anderes Fernsehen und trägt so zur Orientierung in einer global vernetzten Gesellschaft bei.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 28.12.2016 um 17:15 Uhr auf ARD alpha.