Landwirt, Polizist, Fleischer, Uni-Dozent: Jahrzehntelang waren das angesehene und gut bezahlte Berufe. Angesehen sind sie auch heute noch, doch immer mehr Menschen mit diesen Berufen können mit dem Geld, das sie für ihre Arbeit bekommen, kaum noch leben. NDR Reporterin Susann Kowatsch besucht Norddeutsche, die um ihre Existenz kämpfen.
Im ostfriesischen Rhauderfehn geht eine Familientradition zu Ende: Ehepaar Geppert gibt seinen Hof auf. Noch haben die Milchbauern 70 Kühe, aber die kalben zum letzten Mal. "Ich kann die Arbeit schlecht machen, ich kann sie gut machen, es ist egal. Es reicht trotzdem nicht", sagt Gabi Geppert. Der Preis für die Milch ist einfach zu sehr gesunken.
Auch auf dem Hof Benecke in Scharmbeck ist das Überleben alles andere als einfach. Die Gründe sind vielfältig. Unter anderem wurde dem Familienbetrieb der Pachtvertrag für ihr Land gekündigt. Die Eigentümer versprachen sich mehr Gewinn von einem Verkauf an Biogasanlagenbetreiber. Mit ihrem Konzept "Offener Hof" versuchen die Beneckes, der Krise offensiv zu begegnen. Besucher sind willkommen, es gibt eine Milchtankstelle und neuerdings haben die Milchbauern Hühner. Geblieben sind die Arbeitszeiten: von drei Uhr morgens bis in den Abend ist die Regel. Und doch möchte der älteste Sohn der Beneckes in die Fußstapfen der Eltern treten und Landwirt sein. Fast schon ein Einzelfall.
Thorben Stahmer ist Polizist. Beamter. Und er hat einen Nebenjob. Damit ist er in Hamburg nicht allein. Bei vielen seiner Kollegen reicht die Besoldung nicht mehr aus. Zu teuer ist das Leben in der Großstadt geworden. Offiziell haben mehr als zehn Prozent aller Polizeibeamten in der Hansestadt eine Genehmigung, noch nebenbei zu arbeiten. Nach seiner Frühschicht zieht sich Stahmer um und macht in Zivil direkt weiter. Bei einer Mietwagenfirma reinigt er Autos, zum Mindestlohn.
In den letzten zehn Jahren haben allein in Schleswig-Holstein etwa 100 Schlachtereien ihren Betrieb geschlossen. Auch an Fleischermeister Michael Jannsen aus dem nordfriesischen Meldorf ist der Wandel nicht spurlos vorübergegangen. Das Familienunternehmen in dritter Generation läuft gut, aber nur, weil Jannsen 80 Stunden in der Woche ackert. Er kämpft um seine Zukunft und bietet Partyservice, Essen auf Rädern und Spezialitäten wie Krabbenleberwurst mit Schokostückchen an. Doch wer wird das Geschäft eines Tages übernehmen? Für die beiden Söhne steht schon lange fest: Wir machen lieber was ganz anderes.
Wie und warum hat sich die Berufswelt so verändert? Die Sendung zeigt die Schicksale hinter den großen gesellschaftlichen Entwicklungen, liefert en passant interessante Zahlen, die den Wandel belegen, und wagt auch einen Blick in die Zukunft der Arbeitswelt.
Produktion: Tim Carlberg\nAutor: Anne Kathrin Thüringer\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 10.01.2017 um 19:15 Uhr auf tagesschau24.