ESC zum Schließen · Enter zum Suchen

Wenn Arbeit nicht mehr lohnt

Unsere Berufswelt im Wandel - ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“
Montag, 31.10.2016 21:00 Uhr
NDR
Montag
31.10.2016
21:00 Uhr
Teilen:
Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Landwirt, Polizist, Fleischer, Uni-Dozent: Jahrzehntelang waren das angesehene und gut bezahlte Berufe. Angesehen sind sie auch heute noch, doch immer mehr Menschen mit diesen Berufen können mit dem Geld, das sie für ihre Arbeit bekommen, kaum noch leben. NDR Reporterin Susann Kowatsch besucht Norddeutsche, die um ihre Existenz kämpfen.
Im ostfriesischen Rhauderfehn geht eine Familientradition zu Ende: Ehepaar Geppert gibt seinen Hof auf. Noch haben die Milchbauern 70 Kühe, aber die kalben zum letzten Mal. "Ich kann die Arbeit schlecht machen, ich kann sie gut machen, es ist egal. Es reicht trotzdem nicht", sagt Gabi Geppert. Der Preis für die Milch ist einfach zu sehr gesunken.
Auch auf dem Hof Benecke in Scharmbeck ist das Überleben alles andere als einfach. Die Gründe sind vielfältig. Unter anderem wurde dem Familienbetrieb der Pachtvertrag für Land gekündigt. Die Eigentümer versprachen sich mehr Gewinn von einem Verkauf an Biogasanlagenbetreiber. Mit ihrem Konzept "Offener Hof" versuchen die Beneckes, der Krise offensiv zu begegnen. Besucher sind willkommen, es gibt eine Milchtankstelle und neuerdings haben die Milchbauern Hühner. Geblieben sind die Arbeitszeiten: von drei Uhr morgens bis in den Abend ist die Regel. Und doch möchte der älteste Sohn der Beneckes in die Fußstapfen der Eltern treten und Landwirt sein. Fast schon ein Einzelfall.
Thorben Stahmer ist Polizist. Beamter. Und er hat einen Nebenjob. Damit ist er in Hamburg nicht allein. Bei vielen seiner Kollegen reicht die Besoldung nicht mehr aus. Zu teuer ist das Leben in der Großstadt geworden. Offiziell haben mehr als zehn Prozent aller Polizeibeamten in der Hansestadt eine Genehmigung, noch nebenbei zu arbeiten. Nach seiner Frühschicht zieht sich Stahmer um und macht in Zivil direkt weiter. Bei einer Mietwagenfirma reinigt er Autos, zum Mindestlohn.
In den letzten zehn Jahren haben allein in Schleswig-Holstein etwa 100 Schlachtereien ihren Betrieb geschlossen. Auch an Fleischermeister Michael Jannsen aus dem nordfriesischen Meldorf ist der Wandel nicht spurlos vorübergegangen. Das Familienunternehmen in dritter Generation läuft gut, aber nur, weil Jannsen 80 Stunden in der Woche ackert. Er kämpft um seine Zukunft und bietet Partyservice, Essen auf Rädern und Spezialitäten wie Krabbenleberwurst mit Schokostückchen an. Doch wer wird das Geschäft eines Tages übernehmen? Für die beiden Söhne steht schon lange fest: Wir machen lieber was ganz anderes.
Wie und warum hat sich die Berufswelt so verändert? Die Sendung zeigt die Schicksale hinter den großen gesellschaftlichen Entwicklungen, liefert en passant interessante Zahlen, die den Wandel belegen, und wagt auch einen Blick in die Zukunft der Arbeitswelt.

* ARD-Themenwoche 2016: "Zukunft der Arbeit"

"Zukunft der Arbeit" ist der Titel der ARD-Themenwoche 2016, die in diesem Jahr vom Hessischen Rundfunks (hr), vom Saarländischen Rundfunk (SR) und von Radio Bremen verantwortet wird. Eine Woche lang, vom Sonntag, 30. Oktober, bis Samstag, 5. November, beleuchten Sendungen im Ersten, in allen dritten Programmen und in den Partnerprogrammen der ARD, im Radio und im Internet die unterschiedlichen Facetten der digitalen Arbeitswelt und wie sich die Menschen heute und morgen über ihre berufliche Tätigkeit definieren.
Wer sind die Gewinner und Verlierer?
Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Die Zukunft der Arbeit hat längst begonnen. Digitalisierung und Globalisierung schreiten unaufhaltsam voran. Die klassische Erwerbsarbeit des Industriezeitalters verliert an Bedeutung. "Industrie 4.0", "Sharing-Ökonomie" oder "Cloud-Working" heißen die Schlagworte. Das "Internet der Dinge" wird schon bald Produkte aus dem 3D-Drucker möglich machen, individueller und billiger als heute. Software wird Sachbearbeiter in den Büros ersetzen, Automaten werden sich selbst optimieren. Neue Plattformen und Netzwerke machen bereits jetzt jeden Autobesitzer potentiell zum Billig-Taxi-Anbieter und jeden Wohnungsbesitzer zum Vermieter von Gästezimmern. Aber wer sind bei all diesen Veränderungen eigentlich Gewinner und Verlierer?
Der Stellenwert von Arbeit
Und wie verändern sich der gesellschaftliche und der persönliche Stellenwert von Arbeit? Arbeit wird mit Geld entlohnt. Doch entspricht der Lohn auch der Leistung? Das monatliche Einkommen eines Bankers ist weit höher als das einer Altenpflegerin, ein Immobilienmakler verdient mehr als ein Konditor, eine Hausfrau bekommt gar keinen Lohn. Andere wiederum vermehren ihr Vermögen, ohne dafür zu arbeiten. Immer häufiger wird gefragt: Ist das gerecht? Wer und was bestimmen eigentlich heute und in Zukunft den Wert der Arbeit in unserer Gesellschaft?
Die ARD-Themenwoche 2016 beschreibt die "Zukunft der Arbeit" nicht als technologische Vision, sondern stets mit dem Blick auf den Wert der eigenen Arbeit: Welchen Stellenwert hat meine Arbeit? Was passiert mit meinem Arbeitsplatz? Wie verdiene ich morgen mein Geld? Was müssen unsere Kinder heute lernen, um in der zukünftigen Arbeitswelt zu bestehen? Wer sorgt dafür, dass unsere Arbeitsgesellschaft nicht auseinanderfällt?
Diesen Fragen gehen die Programme der ARD eine Woche lang aus unterschiedlichen Blickwinkeln nach - in Spielfilmen und Fernseh-Dokumentationen, in aktuellen Radioprogrammen und in Ratgeber-Sendungen und mit einem umfangreichen Dossier im Netz.

Produktion: Tim Carlberg\nAutor: Anne Kathrin Thüringer\n

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 31.10.2016 um 21:00 Uhr auf NDR.