Die kleine Stadt Churchill im äußersten Nordwesten der kanadischen Provinz Manitoba gilt als Eisbären-Hauptstadt der Welt. Jedes Jahr im Spätherbst sammeln sich rund um die Kleinstadt zahlreiche Eisbären. Sie haben irgendwo gemütlich den Sommer verbracht, sich vorwiegend von Früchten und Pflanzen ernährt und warten sehnlich darauf, dass endlich die Hudson Bay zufriert. Dann nämlich können sie vom Eis aus wieder ihre Leibspeise jagen: Robben.
Doch bevor es so weit ist, treibt der Hunger die Kolosse nicht selten in das Hafenstädtchen. In Churchill hat man gelernt mit der pelzigen Gefahr zu leben. Kinder dürfen dann nach 17 Uhr nicht mehr allein auf die Straße. Autos und Haustüren sind grundsätzlich nicht verschlossen, damit man sich bei "Bärenalarm" schnell in ein Auto oder ein Haus flüchten kann. Bewaffnete Ranger patrouillieren rund um die Stadt und haben ihr Betäubungsgewehr stets bereit. Falls sich das größte aller Landraubtiere doch einmal zu weit in die Stadt vorwagt, kommt es vorübergehend in Gewahrsam. Denn in Churchill gibt es das einzige Eisbärengefängnis der Welt, in einem ausgedienten Militärhangar. Nach einigen Tagen werden die Bären dann per Helikopter ausgeflogen und weit weg von der Zivilisation wieder in die Freiheit entlassen.
Die "schonende Gefahrenabwehr" kommt nicht von ungefähr. In Manitoba hat man den positiven Effekt durchaus erkannt, den Eisbären für den Fremdenverkehr haben können. Seit Jahren werden hier Touren mit einem "Tundra Buggy" in die unwegsame Wildnis angeboten. Mit speziell konstruierten, allradgetriebenen Bussen können bis zu 40 Passagiere völlig ungefährlich und ganz nah an die Rastplätze der Bärenfamilien gebracht werden. Und auch in sogenannten Wilderness-Lodges etwa eine halbe Flugstunde mit dem Buschflugzeug von Churchill entfernt kann man die riesigen Zotteltiere unmittelbar aus dem Zimmerfenster beobachten.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 07.01.2017 um 15:15 Uhr auf WDR.