In Churchill hat man gelernt, mit der pelzigen Gefahr zu leben. Kinder dürfen dann nach 17 Uhr nicht mehr allein auf die Straße, Abfälle werden penibel unter Verschluss gehalten und zur Entsorgung weit weg gebracht. Autos und Haustüren sind grundsätzlich nicht verschlossen, damit man sich bei "Bärenalarm" schnell in ein Auto oder ein Haus flüchten kann. Bewaffnete Ranger patrouillieren rund um die Stadt und haben ihr Betäubungsgewehr stets bereit.
Falls sich das größte aller Landraubtiere doch einmal zu weit in die Stadt vorwagt, kommt es vorübergehend in Gewahrsam. Denn in Churchill gibt es das einzige Eisbärengefängnis der Welt, in einem ausgedienten Militärhangar. Nach einigen Tagen nur bei Wasser werden die Bären dann per Helikopter weit weg von der Zivilisation ausgeflogen und wieder in die Freiheit entlassen.
Die "schonende Gefahrenabwehr" kommt nicht von ungefähr. In Manitoba hat man den positiven Effekt durchaus erkannt, den Eisbären für den Fremdenverkehr haben können. Seit Jahren werden hier Touren mit einem "Tundra Buggy" in die unwegsame Wildnis angeboten. Mit speziell konstruierten, allradgetriebenen Bussen können bis zu vierzig Passagiere völlig ungefährlich und ganz nah an die Rastplätze der Bärenfamilien gebracht werden.
Auch Wilderness-Lodges wie die Dymond Lake Lodge, etwa eine halbe Flugstunde mit dem Buschflugzeug von Churchill entfernt, werben damit, dass man die riesigen Zotteltiere unmittelbar aus dem Zimmerfenster beobachten kann. In der Tat, der nächste Eisbär ist in Manitoba nie weit weg.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 22.12.2018 um 02:50 Uhr auf HR.