Die zweite Folge der dreiteiligen Dokumentationsreihe "Essen verändert die Welt" begibt sich auf die Spuren großer Wandlungen. Mit der Entdeckung der Neuen Welt und dem Aufbruch in die Neuzeit beginnt der Siegeszug von Nahrungsmitteln, die uns heute selbstverständlich sind: Kartoffeln, Mais und viele weitere Früchte aus den neu entdeckten Ländern Amerikas bereichern den europäischen Speiseplan. Und dabei schreiben diese Nahrungsmittel manchmal auch große Geschichte. Unser Essen schreibt Weltgeschichte? Nicht nur das: In kleinen Alltagsgeschichten erfahren wir, wie sich die Menschen in vergangenen Jahrhunderten ernährt haben und wie sehr ihr Leben am Essen hing.
Es sind wechselseitige Beziehungen, die den Menschen mit seinem Essen verbinden und dabei Impulse für Veränderungen geben. Die Kartoffel beispielsweise: Sie hatte es anfangs schwer, in der Alten Welt akzeptiert zu werden. Zu geheimnisvoll war das Nachtschattengewächs, giftig ihre Blüten. Und doch gelang es ihr, den Menschen über Hungersnöte hinwegzuhelfen und ab der Mitte des 18. Jahrhunderts verstärkt auf europäischen Tellern zu liegen. Doch die Kartoffel löste andererseits auch Krisen aus, verantwortete die erste große Auswanderungswelle nach Amerika und ist damit Katalysator weltpolitischer Ereignisse. Doch nicht nur die Kartoffel, auch Mais, Tomate oder Ananas schreiben, seitdem sie ihrerseits Europa erobert haben, an der Weltgeschichte mit.
So verändern Nahrungsmittel ganze Nahrungssysteme und wir sehen, dass es nicht selbstverständlich und unveränderlich ist, wie wir heute essen. Denn was und wie wir essen ist bis heute von dynamischen Prozessen geleitet. So hat in jüngerer Zeit die Pizza eine beeindruckende Biographie. Sie zeigt den Wandel eines Nahrungsmittels und die Art wie wir uns ernähren am deutlichsten: Die Pizza ist wandelbar, passt zu den Single-Haushalten unserer Zeit und wird von allen geliebt. Dazu hat die Pizza auch noch eine Reihe spannender Anekdoten zu erzählen. "Essen verändert die Welt" - nirgends ist dies so deutlich zu sehen, wie bei den Verwandlungen der Nahrungssysteme, die mit der Entdeckung der Neuen Welt uns eine reichhaltigere Speisenpalette bescheren konnten.
Film von Michael Böckler und Alexander Landsberger
Die dreiteilige Dokumentationsreihe erzählt von den Meilensteinen, den großen Wandlungen und Entwicklungen, die wir dem Essen verdanken. Eine Zeitreise durch alle Epochen der Menschheit, in der wir armen Schluckern und reichen Schlemmern begegnen, die zeigt, wie Nahrungsmittel aus der Neuen Welt den Speiseplan Europas nachhaltig verändert haben und die ein Licht darauf wirft, dass es das Essen ist, das die Menschen mobil machte und heute seinerseits Mobilität erfordert.
In drei Folgen werden unterschiedliche Aspekte des Essens beleuchtet: Arm und Reich (Folge 1), altes Europa und die neuen Speisen (Folge 2) sowie das Thema der Mobilität und Konservierung (Folge 3). Die Geschichte der Menschheit ist erstaunlich eng mit der Geschichte des Essens verknüpft. Mal war es der bloße Zwang sich zu ernähren, der die Menschen erfinderisch gemacht hat, mal führte das Essen zu einschneidenden gesellschaftlichen Entwicklungen. Große Entdeckungen, die Aufklärung, Industrialisierung, Krieg und Frieden - irgendwo taucht immer auch das Essen auf. So wurde die Welt, in der wir heute leben, über die Jahrtausende hinweg von unserem Essen geprägt. Auch in Zukunft wird das Essen die Welt verändern und große Geschichten schreiben.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 16.10.2016 um 09:00 Uhr auf Phoenix.