"Der Amazonas ist in Gefahr. Die Welt weiß es seit langem. Aber was ist bedroht?" Dieser Frage widmete sich ein großes, über vier Jahre dauerndes Projekt, das anlässlich der Münchner Biennale für neues Musiktheater im Jahr 2010 zur Uraufführung gelangte.
Michael Scheidl als Regisseur sowie Klaus Schedl und Tato Taborda als Komponisten wählten für dieses komplexe Thema das Musiktheater als die adäquateste Form künstlerischen Ausdrucks.
Der Kunstraum-Film konzentriert sich auf zwei der insgesamt drei Teile des Musiktheaters "Amazonas". In diesen zwei Teilen werden zwei Wahrnehmungen des Themas "Amazonas" thematisiert: die erste, das ist die europäische, damit also die kolonialistische Sichtweise am Beispiel der Aufzeichnungen des englischen Entdeckers / Eroberers Sir Walter Raleigh (1552-1618). Die zweite Wahrnehmung ist die der Yanomami, des Stammes der seit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden im und vom Amazonas lebt und dessen Geschichte und Lebensweise sich bis vor relativ kurzer Zeit in keinem Geschichtsbuch fand.
"Was bleibt" ist also hier keine Frage, sondern eine Feststellung. Obwohl die ausgestellten Objekte auf den ersten Blick nichts anderes sind als gebrauchte Werkzeuge in ganz wörtlichen Sinn, vermitteln sie bei näherer Betrachtung doch tiefe und direkte Einblicke auf Fragen unserer Existenz.
* Lebenslauf der Künstlers
Michael Scheidl, geboren 1954, ist Regisseur und künstlerischer Leiter von netzzeit, einem Festival für Musiktheater in Wien. Er arbeitete in den vergangenen Jahren an zahlreiche Projekten in Österreich, Deutschland, Schweiz, Ungarn, Italien und Brasilien. 1984 gründete er zusammen mit seiner Ehefrau Nora netzzeit, ein Festival zur Realisierung von zeitgenössischen Theaterprojekten. In diesem Rahmen wird Amazonas im April 2013 wieder aufgeführt.
Klaus Schedl, geboren 1966, studierte Komposition bei Hans-Jürgen von Bose. Es ist Mitbegründer des Ensembles "piano possibile" in München. Schedl erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Kammer-, Vokal- und Orchestermusik. Er beschäftigt sich intensiv mit den Möglichkeiten elektroakustischer Musik.
Tato Taborda, 1960 in Curitiba, Brasilien, geboren, studierte in Lateinamerika und in Deutschland, unter anderem bei Helmut Lachenmann und Dieter Schnebel. Er promovierte mit einer Arbeit über das Verhältnis von Bioakustik und polyphonem Denken. Taborda ist Kurator mehrerer Festivals für neue Musik.
Von der Idee zum Kunstwerk ist es nicht immer ein leichter Weg - Kunstraum macht diesen Weg transparenter. Die Sendereihe vermittelt die Visionen, Emotionen und Gedanken von Künstlern. Wenn Kunst es schafft, den Zuschauer zu berühren, setzt sich ein bewusstseinserweiternder Prozess oft automatisch, unbewusst in Gang.
Der Beobachter erahnt Themen, die Intention des Künstlers und - noch mehr und viel wichtiger - er kann das Kunstwerk in neue Zusammenhänge setzen, individuell und einzigartig aber ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Daneben gibt es allgemeingültige, ehrbare und kognitiv vermittelbare Zugänge zur Kunst und zu einzelnen Kunstwerken.
Kunstraum, das Forum der Gegenwartskunst vermittelt Zugänge zu Kunstwerken und Künstlern auf verschiedene Art und Weise: Durch das lautlose Begleiten der Kamera werden nicht nur die jeweiligen Künstler vorgestellt. Auch durch das (nicht kommentierende) Aufzeigen von Entstehungsprozessen einzelner Werke kann der Zuschauer in die Gedanken und Schaffens-Welt des Künstlers abtauchen. Jeder der 15 -minütigen Filme vermittelt Visionen, Emotionen und Gedanken eines Künstlers. Von der Idee zum Kunstwerk ist es nicht immer ein leichter Weg. Kunstraum, das Forum der Gegenwartskunst macht diesen Weg transparenter.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 01.10.2016 um 03:40 Uhr auf ARD alpha.