Die Arktische See ist das weltweit wichtigste Fanggebiet für Kabeljau. Von hier kommt auch Fisch nach Europa. Doch auf dem Meeresboden lauern Gefahren. Versunkene Atom-U-Boote liegen hier, Tausende Metallkisten voller radioaktiver Abfälle, ganze Kernreaktoren, manche davon noch mit abgebrannten Brennelementen bestückt. Die russische Nordmeerflotte entsorgte ihre Nuklearabfälle im Eismeer in geringen Tiefen. Weitab von jeder kritischen Öffentlichkeit verschwand das strahlende Erbe des Atomzeitalters in den Fjorden zwischen Norwegen und Russland. Wahrscheinlich wurde nicht einmal alles verzeichnet, was bei den geheimen, militärischen Verklappungsaktionen auf den Grund der Arktischen See befördert wurde.
Internationale Wissenschaftlerteams versuchen inzwischen, die Versenkungsstellen zu orten und Karten zu erstellen. Am gefährlichsten sind wohl drei alte sowjetische Atom-U-Boote, die hier auf Grund liegen. Die Außenhüllen der U-Boote rosten erschreckend schnell. Unterwasseraufnahmen zeigen Risse in den Bordwänden. An vielen Stellen kann das aggressive Salzwasser in die Boote eindringen. Messungen zeigen: Schon seit langem entweicht Radioaktivität. Sollte Wasser in die heiße Zone der Reaktoren eindringen, so warnen russische Experten, könnte es zu einer nicht mehr kontrollierbaren Kettenreaktion kommen.
Russische Beamte haben in einem Bericht, der nicht zur Veröffentlichung bestimmt war, empfohlen, zwei der drei Atom-U-Boote bis spätestens 2014 zu bergen. Aber geht das überhaupt so schnell? Der Aufwand wäre enorm, die Aktion riskant. Wenn der Rumpf bricht, könnten die Reaktoren beschädigt werden. Doch bis heute liegt kein Auftrag der russischen Regierung für eine Bergung vor. Es bestehe "keine akute Gefahr", so die amtliche Sprachregelung. Doch interne russische Regierungsdokumente zeigen: In Wahrheit steht eine Umweltkatastrophe bevor.
Themenabend: Kernkraft - Eine strahlende Zukunft?
THEMA nimmt die Kernkraft ins Visier - von deren Entstehung bis heute. Strom aus Kernkraftwerken gilt als günstig, klima-freundlich, unabhängig von Wetterschwankungen und als die sauberste Methode der Stromerzeugung. Wäre da nicht die Frage nach einem Endlager für den radioaktiven Atommüll. Auch Störfälle, wie 2011 in Fukushima, erinnern an die weitere Gefahr der Kernenergie: den möglichen Super-GAU. Atomkraft, nein danke? Ja bitte? Die Gesellschaft ist gespalten. THEMA widmet diesen Abend der Atomkraft und deren Geschichte, Gefahren und Chancen.
Thorium-Flüssigsalzreaktor: Nie gehört? Kein Wunder, seit 70 Jahren wird die Technologie von der Nuklearindustrie totge-schwiegen. Dabei könnte Thorium - kaum Atommüll, kaum Risiko - die Energieproduktion komplett revolutionieren. THEMA durchleuchtet, warum Kernkraft aus Thorium 1945 eine technologische Totgeburt war, und warum es plötzlich doch der Brennstoff der Zukunft sein soll.
Danach zeigt der Filmmacher Manfred Ladwig in "Versenkt und Vergessen - Atommüll vor Europas Küsten" - den rücksichtslosen Umgang vieler Industrienationen mit den radioaktiven Abfällen, die ihr Endlager im Atlantik fanden. Doch mit welchen Folgen für das maritime Biosystem?
Zuletzt beschäftigt sich "Das Gebet" mit der Kernschmelze von Tschernobyl 1986. Der Film wirft einen Blick auf das Schicksal der Einsatzkräfte vor Ort und der Bevölkerung, die ungeschützt der radioaktiven Strahlung ausgesetzt waren.
Regie: Thomas Reutter\nProduzent: SWR\n
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 20.09.2016 um 23:00 Uhr auf arte.