Dieser Film ist ein Glücksfall, weil er aus elf Stunden Rohmaterial schöpfen konnte, die im Sommer 2000 entstanden sind. Darin wanderte der damals 84-jährige Jurij Brezan, seinem Roman-Helden Krabat nicht unähnlich, durch die Oberlausitz und das Jahrhundert. Er erinnerte sich präzise, weise und erzählte voller Schalkhaftigkeit.
Vom Vater, der 1918 ein Kriegsheimkehrer war und den härtesten Granit der Welt spaltete. Von einer armen, reichen Kindheit, in der der Knabe Brezan Märchen für seine vier Schwestern erfand und in der er mit einem Begabtenstipendium in Bautzen die Schule besuchen durfte. Von Nazi-Terror und Holocaust vermag Brezan aus eigenem Erleben zu erzählen, Erfahrungen, die ihn zu einem Antifaschisten und bewussten Sorben unter Deutschen machten. Und zu einem Lobby-Arbeiter für seine Leute, das kleine sorbische Volk, in der DDR.
Jurij Brezan war ein großer Poet und analytischer Denker, der mit seinen Krabat-Büchern und der autobiografisch gefärbten Romantrilogie um Felix Hanusch die sorbische Literatur in die deutsche und in die Weltliteratur überführte. Im Film "Der Mann in den Birken - Das sagenhafte Leben des Jurij Brezan" formuliert er zeitlos wahre Sätze über den Markt, den Tod und das Leben, die in ihrer Denkschärfe verblüffen.
Zum einhundertsten Geburtstag des am 9. Juni 1916 geborenen und 2006 verstorbenen Jurij Brezan setzt der Film ihm ein liebevolles Denkmal in poetischen, schwärmerischen Landschaftsbildern seiner Oberlausitz.
Film von René Römer
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 09.06.2016 um 23:05 Uhr auf MDR.