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Thema: Erdogans Reich

Moderation: Stephan Kulle
Donnerstag, 19.05.2016 14:45 Uhr
Phoenix
Donnerstag
19.05.2016
14:45 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Recep Tayyip Erdogan hat die moderne Türkei geprägt - auch mit seinem Politikstil. Erdogan führte die türkische Regierung mehr als 11 Jahre, länger als jeder andere türkische Ministerpräsident seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Aggressiv gegen seine Kritiker ging der als aufbrausend geltende Erdogan bereits in dieser Zeit als Ministerpräsident vor, etwa gegen die islamistische Gülen-Bewegung oder missliebige Karikaturisten und Journalisten. Seinen zunehmend stärker autoritären Regierungsstil setzt er seit seiner Wahl zum Staatspräsidenten fort. Seine Machtposition sichert er offenbar auch durch diese harten Aktionen gegen Kritiker.
Wie genau funktioniert Erdogans Herrschaftssystem? Darüber diskutiert Sonja Fuhrmann im 'phoenix-Thema: Erdogans Reich' mit ihren Gästen. Mit dabei sind der Nahost-Experte Prof. Udo Steinbach und Güven Bülent, Vorstandsmitglied der Union türkischstämmiger europäischer Demokraten.
Neben den Gesprächen mit Gästen steht im Mittelpunkt der Sendung die Dokumentation 'Koran, Kommerz und Korruption - die Türkei im Umbruch' des ZDF-Korrespondenten Luc Walpot. Walpots zentrale Fragestellung: Wird die Türkei unter Recep Tyyip Erdogan zu einem Ein-Mann-Staat?
Zum Thema zeigt phoenix folgende Dokumentation:

* "Koran, Kommerz und Korruption - die Türkei im Umbruch"; Ein Film von Luc Walpot

Wohin treibt die Türkei? Wird die Republik unter Recep Tayyip Erdogan zu einem Ein-Mann-Staat, in dem der Koran wichtiger ist als die Verfassung? "Vielleicht werden Studenten hier irgendwann einmal auch für Umweltschutz oder gegen die Macht des Kapitals auf die Straße gehen wie bei euch in Deutschland. Aber derzeit haben wir in der Türkei um grundlegendere Dinge zu kämpfen", sagt der Student Cihangir. Cihangir lebt in der Mittelmeerstadt Izmir und träumt von einer modernen Türkei. Wie er machen sich Millionen türkische Bürger Sorgen um die Zukunft des Landes.
Ihnen geht es um Meinungsfreiheit, um das Recht darauf, ihr Leben so zu leben, wie sie es möchten, nicht wie die anderen es vorschreiben. Seit 13 Jahren regiert die konservativ-islamische Partei des jetzigen Staatspräsidenten Erdogan die Türkei. Schritt für Schritt haben Erdogan und seine Mitstreiter einen politischen und gesellschaftlichen Umbau des Landes vollzogen. Die Türkei galt als säkulare Republik, gegründet auf den autoritären Ideen von Mustafa Kemal Atatürk, in der das Militär stets das letzte Wort hatte. Erdogan begrenzte die Macht der Militärs, verschaffte der sunnitischen Religion einen festen Platz im Bewusstsein der Nation und im Alltag der Institutionen und trat im Ausland selbstbewusst als Vertreter einer neuen, starken Türkei auf. Gleichzeitig forcierte die AKP einen gesellschaftspolitischen Umbau. Vom Schulsystem bis in die Verwaltungen wurden religiös-konservative Werte verankert, eine Entwicklung, die von Erdogans zahlreichen Anhängern begrüßt wurde. Zumal die Türkei im letzten Jahrzehnt wirtschaftlich erfolgreich war und die Einkommen stiegen.
Als im Jahr 2013 tausende - vor allem junge - Türken bei den Protesten um den Istanbuler Gezi-Park gegen diese konservative Bevormundung auf die Straße gingen und später massive Korruptionsvorwürfe gegen die Regierung publik wurden, forcierten Erdogan und seine AKP-Partei auch den politischen Wandel. Mit seiner komfortablen Parlamentsmehrheit ließ Erdogan die Korruptionsvorwürfe unter den Teppich kehren, unterstellte die Justiz der Kontrolle der Regierung, führte massive Säuberungen bei Polizei und Justiz durch. Das Land ist seither zunehmend in zwei Lager gespalten: unbedingte Befürworter und entschiedene Gegner dieser Politik. Erdogan möchte ein Präsidialsystem, in dem er die Geschicke der Türkei weitgehend selbst bestimmen kann, die "neue Türkei", wie er sie nennt. Dagegen und gegen die zunehmende Aushöhlung von Bürgerrechten und Verfassungsgarantien stemmen sich seine Gegner im Land.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 19.05.2016 um 14:45 Uhr auf Phoenix.