Bis unter minus 30 Grad sinkt nachts die Temperatur in der mongolischen Steppe. Aber gerade unter diesen extremen Bedingungen hat ein Pferd überlebt, das als der hoffnungsvollste Kandidat für das Urpferd gilt - das mongolische Wildpferd.
Stehmähne, Zebrastreifen an den Beinen, helles Mehlmaul: Dieses Pferd sieht wirklich aus wie das lebende Abbild einer Höhlenmalerei. Doch die moderne Genetik offenbart etwas anderes. Das gefundene Wildpferd ist zwar tatsächlich sehr alt, doch die Chromosomenzahl stimmt nicht mit der der heute lebenden Hauspferde überein - und kann damit nicht der gesuchte Stammvater sein.
Von der Wüste geht es zurück nach Europa und an die Südwestküste Englands. Die Pferdekundlerin Sue Baker hilft mit, die Geheimnisse einer kleinen Pferderasse zu lüften, die seit Jahrtausenden hier im Exmoor überlebt hat, das Exmoor-Pony. Während alle anderen britischen Ponyrassen - und erst recht die auf dem Kontinent - mehr oder weniger züchterisch verändert wurden, hat sich diese Ponyart im südwestenglischen Exmoor seit Urzeiten unverändert erhalten. Doch bis heute haben Zoologen gezögert, das Exmoor Pony als echte Wildpferdform anzuerkennen. Sie hielten es für zu unwahrscheinlich, dass sich im dicht besiedelten Westeuropa ein Wildpferd erhalten konnte.
Am Anfang der Suche nach dem Urpferd stand eine Legende: Gott selbst soll den Menschen ein Pferd geschenkt haben. Die Pferdeliebhaberin Louise Firouz hat versucht, dieses göttliche Pferd zu finden und hat es am Kaspischen Meer durch einen Zufall entdeckt. Es ist klein und sieht dem heutigen Araberpferd sehr ähnlich. Louise erzählt die Entdeckungsgeschichte und listet die Argumente auf, warum auch das Kaspische Pferd ein Überlebender aus der Urzeit sein muss. Das ist ein großer Erfolg, denn der Kaspier scheint tatsächlich ein wichtiger Stammvater des Arabers zu sein; und diese Rasse wiederum ist in sehr vielen heutigen Pferderassen eingekreuzt.
Die weitere Suche nach dem Urpferd führt zunächst in die polnischen Sümpfe. Dort hat sich ein Wildpferd, wahrscheinlich auf der Flucht vor dem Menschen, in die Wälder zurückgezogen.
Es handelt sich um den Tarpan, der hier trotz des morastigen Untergrunds lange Zeit überlebt hat. Doch leider ist es zu spät: Der reinrassige Tarpan ist inzwischen ausgestorben. Als es ihn noch wild und in großer Zahl gab, hat sich niemand für den Tarpan interessiert.
Man hielt ihn für ein verwildertes Hauspferd, obwohl sein Aussehen so ganz anders war. Erst nach seinem Verschwinden wurde die Wissenschaft aufmerksam. Überlebt haben bis heute nur die sogenannten Koniks, seine Nachfahren, eine Mischform zwischen reinerbigem Tarpan und Hauspferd. Trotz des nicht mehr reinen Blutes, weisen sie heute noch deutliche Merkmale einer sehr alten Rasse auf.
Eine regelrechte Sensation ist das Sorraiapferd in Portugal: Die Nachfahren des Tarpans und die Sorraias sind für ein Laienauge kaum unterscheidbar, und Pferdekundler Hardy Oelke bestätigt, dass auch die Ergebnisse aus DNA-Analysen für die These sprechen, dass Tarpan und Sorraiapferd zur selben Unterart gehören.
Und Hardy Oelke wartet mit einer weiteren Überraschung auf: Christoph Kolumbus hatte höchstwahrscheinlich einige dieser Sorraias mit an Bord und ließ sie in dem neu entdeckten Amerika an Land. Da reinerbige Urpferde hauptsächlich einen Partner ihres Aussehens wählen, ist bis heute eine Linie unter den amerikanischen Mustangs erhalten, die den Sorraias unglaublich ähnlich sieht - die Kiger Mustangs.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 09.04.2016 um 15:30 Uhr auf SR.