phoenix history

Die Zeit Napoleons

Quelle: ARD-Pressebild
Quelle: ARD-Pressebild

Film von Mathieu Schwartz, Arte 2021
1821 starb Napoleon Bonaparte auf St. Helena im Südatlantik. Mit seinen Memoiren nahm er selbst Einfluss darauf, wie seine Lebensgeschichte in der Nachwelt rezipiert wurde. Mit Erfolg: Die Legende des Kaisers ist in unzählige Geschichtsbücher eingegangen. Der Dokumentarfilm greift sieben Schlüsselmomente in Napoleons Leben auf, in denen er sich mit dem Tod maß. Napoleon selbst war von der Unsterblichkeit schon zu Lebzeiten besessen und der festen Überzeugung, vom Schicksal auserwählt zu sein. So richtete er sein Handeln stets auf größtmöglichen Ruhm im Jetzt und in der Nachwelt aus. Immer wieder sah Napoleon im Laufe seines Lebens dem Tod ins Auge, manchmal forderte er ihn sogar heraus. Wenn er aus einem Duell mit dem Tod als Sieger hervorging, sah er sich in seiner Bestimmung bestätigt. Der Dokumentarfilm greift sieben Schlüsselmomente in Napoleons Leben auf, in denen er sich mit dem Tod maß: Am 15. November 1796 überlebte der General Napoleon angeblich die Trikolore schwenkend auf der Ponton-Brücke bei Ronco all'Adige die Geschosse des österreichischen Feindes und galt fortan als der Unbesiegbare, den keine Kugel trifft. Beim Staatsstreich am 18. Brumaire VIII des französischen Revolutionskalenders konnte Napoleon am 9. November 1799 ein vermeintliches Attentat zu seinem Vorteil wenden: Im Zuge eines Putschs wurde Napoleon zum ersten Konsul und Alleinherrscher von Frankreich, mit gerade mal 30 Jahren.
Einem Anschlag in der Pariser Rue Saint-Nicaise am Heiligen Abend 1800 auf dem Weg in die Oper entgingen Napoleon und seine Frau Joséphine nur knapp. Einer der Attentäter hatte zu lange gezögert, das Pulverfass zu zünden. Napoleon nutzte die Gelegenheit, um in einem Rundumschlag sämtliche politische Gegner allen voran Jakobiner und Royalisten auszuschalten und seine Macht zu festigen. Etwa 100 Terroristen fanden den Tod durch die Guillotine, weitere 130 wurden deportiert. Nach dem missglückten Messerattentat des jungen Pfarrerssohnes Friedrich Staps im Schloss Schönbrunn in Wien beschloss Napoleon, sich von seiner Frau Joséphine scheiden zu lassen, die ihm keinen Thronfolger schenkte. Den 17-jährigen Attentäter ließ er eine Woche nach der missglückten Tat durch ein Erschießungskommando hinrichten. Nachdem seine Marschälle Napoleon im April 1814 zum Rücktritt aufgefordert hatten, versuchte er, sich im Schloss Fontainebleau das Leben zu nehmen. Doch das Gift, das er schon lange mit sich herumgetragen hatte, war mittlerweile wirkungslos geworden. Biograf Johannes Willms attestiert Napoleon zu diesem Zeitpunkt einen erschreckenden Realitätsverlust. Das Misslingen des Suizids interpretierte er als Aufforderung, weiterzuleben und Geschichte zu schreiben. Am Grand Lac de Laffrey südlich von Grenoble pokerte Napoleon am 17. März 1815 hoch. Provokant bot er den Soldaten Ludwigs XVIII. die Brust: Wer seinen General töten möchte hier bin ich soll er gerufen haben. Trotzdem konnte er mit seinen Soldaten unversehrt nach Paris weiterziehen, wo er sich drei Tage später im Palais des Tuileries niederließ. Als auf St. Helena schließlich sein Tod schon Gewissheit war, inszenierte sich Napoleon als Märtyrer, der von seinen Feinden vergiftet wurde. Es sollte ein triumphaler Abschied von der Bühne des Lebens werden, den er sorgfältig vorbereitete. Nachdem er persönlich seine Obduktion angeordnet hatte, starb er mit 51 Jahren am 5. Mai 1821. François-René de Chateaubriand schrieb dazu: "Lebend hat er die Welt nicht erworben, tot besitzt er sie."
Joséphine Napoleons große Liebe
Film von Jobst Knigge, ZDF History
Joséphine ist der Schwarm der Männer - in Paris kennt sie jeder. Sie verdreht einem aufsteigenden General den Kopf und öffnet ihm viele Türen: Joséphine wird Napoleons große Liebe. Die Schönheit der Adligen aus Martinique ist legendär, ihr Hang zu Pracht und Luxus berühmt, für ihre Männerbekanntschaften ist sie berüchtigt. Joséphine ist das It-Girl ihrer Zeit. Marie Josèphe Rose de Tascher de la
Pagerie, wie Joséphine eigentlich hieß, hätte sich ihren Aufstieg an die Spitze der französischen Gesellschaft nicht träumen lassen, als ihre Eltern sie mit dem ungeliebten Alexandre de Beauharnais verkuppelten. Die Ehe ist unglücklich, und doch werden ihre beiden Kinder später in europäische Königshäuser einheiraten. Während Alexandre unter der Guillotine stirbt, entkommt seine Frau den Kerkern der Revolution.
Es ist eine Zeit des Umbruchs, die zwei sehr unterschiedliche Menschen erst zusammen- und später auf den Thron bringt - die attraktive Witwe und den Aufsteiger von der Insel Korsika. Jeder in den Pariser Salons kennt die charmante und gebildete Joséphine de Beauharnais, als sie auf den zunächst wenig bedeutenden Militär trifft. Die Vicomtesse, die als ungekrönte Königin von Paris gilt, heiratet schließlich den sechs Jahre jüngeren und von der Körpergröße her deutlich kleineren Napoleon - alle sind überrascht. Sie führt den gesellschaftlich unerfahrenen Korsen in die besten Kreise ein. Er gibt ihr Sicherheit, auch finanziell, und liebt sie abgöttisch: "Wenn ich nur könnte, ich würde Dich ins Gefängnis werfen, in mein Herz und Dich darin einsperren für immer", schreibt Napoleon von der Front. Als Kaiser der Franzosen wird er die frühere Geliebte einst verstoßen, weil sie ihm keine Thronerben gebären kann.
Spuren des Krieges
Waterloo 1815
Film von Marianne Cramer, ZDFinfo 2016
Die Dokureihe "Spuren des Krieges" nimmt die Nachwirkungen der kriegerischen Auseinandersetzungen auf die Schauplätze und die dort lebenden Personen in den Blick. "Normandie 1944" macht den Anfang. "Waterloo 1815", "Die Westfront 1914 1918" sowie "Hiroshima 1945" sind die weiteren Filme dieser französischen Koproduktion, die ZDFinfo zeigt. Die Landung der Alliierten in der Normandie jährt sich am 6. Juni zum 72. Mal. Die "Spuren des Krieges"-Doku stellt aufgrund neuer archäologischer Entdeckungen einige historische Thesen über das Geschehen rund um den 6. Juni 1944 infrage. Helme, Abzeichen, Kugeln, Waffen oder Konservendosen, die Soldaten und Zivilisten zurückließen und die zuletzt wiedergefunden wurden, sowie Blockhütten und unterirdische Gänge, die lange geheim gehalten wurden, werfen neue Fragen auf. Der Film verbindet persönliche Geschichten mit Experteninterviews und aufwändigem 3D-Reenactment und lässt die Landung in der Normandie sowie den Zweiten Weltkrieg in neuem Licht erscheinen.
Zunächst richtet sich der Fokus in der Dokumentation "Waterloo 1815"auf den 18. Juni 1815, als auf einem Feld bei Waterloo, ein bis dato unbekannter Ort in der Nähe von Brüssel, der Krieg gegen Napoleon zu Ende ging rund 11 000 Tote und 40 000 Verwundete blieben auf dem Schlachtfeld. Nie zuvor mussten so viele Männer einer Generation in die Kriege eines einzigen Herrschers ziehen. 200 Jahre später schildern in der Dokumentation Archäologen und Historiker, wie die Kriegsgeschichten von damals heute noch die Region prägen. Noch immer bergen Archäologen auch Überreste aus dem Ersten Weltkrieg. Waffen, aber auch Champagnerflaschen bringen immer wieder neue Details in das Wissen um den Alltag an der Front. Die Dokumentation "Die Westfront 1914 1918" ist eine wissenschaftliche Untersuchung mit Laboranalysen, Experteninterviews und 3D-Rekonstruktionen zu unerwarteten Schätzen, die immer noch unter der Erde liegen und ein neues Licht auf den bis dahin umfassendsten Krieg der Geschichte werfen.
In „phoenix history“ erinnern wir an herausragende historische Ereignisse und Entwicklungen, mit deren Vermittlung und Einordnung phoenix einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung leistet. Von der Antike bis zur aktuellen Zeitgeschichte spannt sich der Erinnerungsbogen. Auf diesen historischen Zeitreisen zeigen wir klassische Dokumentationen, Reportagen im Stil einer historischen Spurensuche bis hin zu großen zeitgeschichtlichen Doku-Dramen. Mit dieser Vielfalt der Formen wollen wir komplexe Themen besser verständlich machen.

Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 02.12.2023 um 00:00 Uhr auf phoenix.