

Dramatisch steigende Baupreise und Handwerkermangel: Menschen, die in Norddeutschland ein Eigenheim bauen oder sanieren wollen, müssen starke Nerven haben. Trotz eines Stundenlohns von bis zu 60 Euro sind die Fachbetriebe auf durchschnittlich zehn bis zwölf Wochen im Voraus ausgebucht. Grund ist die Bauwut der Deutschen, verursacht durch niedrige Zinsen und eine gute Konjunktur.
NDR Autorin Christiane Henningsen begleitet eine Familie aus Hamburg während eines Umbauprojektes. Die Familie muss das teuer bezahlte Traumhaus sanieren: neues Bad, neuer Boden, neuer Grundriss, neue Fenster, neues Dach, neue Küche. Einziehen wollen sie zwei Monate nach Hausübergabe - ein straffer Zeitplan.
Die Autorin erlebt aber auch einen Klempnermeister auf der verzweifelten Suche nach Auszubildenden. Ein Problem sind die niedrigen Gehälter seiner Branche: Im Bundesdurchschnitt erhalten Auszubildende etwa 640 Euro. Elektroniker immerhin schon etwa 750 Euro im ersten Lehrjahr und in der Metall- und Elektroindustrie gibt es sogar um die 1.030 Euro.
Gleichzeitig müssen sich viele Betriebe erst noch ins 21. Jahrhundert aufmachen und Innovationen zulassen: wie etwa das Arbeiten mit Warenwirtschaftssystemen, Auftragserfassung per Tablet und weiteren digitalen Geräten. Um Betrieben bei der Umstellung zu helfen, gibt es das Kompetenzzentrum "Digitales Handwerk".
Oft mangelt es aber auch an der Qualifikation von Bewerbern, dass Betriebe keinen Nachwuchs finden, wie ein Klempnermeister in der Doku berichtet. Mitarbeiter der Handwerkskammer sind an Schulen unterwegs und bemühen sich redlich, Schüler für das Handwerk zu begeistern und Betriebe zu unterstützen.
Fast die Hälfte der Firmen bundesweit hat Schwierigkeiten, Personal zu finden. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen bezifferte der Zentralverband des Deutschen Handwerks auf rund 150.000, vermutlich liege sie aber noch höher.
Film von Oliver Koytek und Christine Grünefeld
Die Sendung wird ausgestrahlt am Freitag, den 14.04.2023 um 15:00 Uhr auf phoenix.