Wann immer vom Russlandkrieg erzählt wird, dann in großen Kapiteln: Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941, rascher Vorstoß, Steckenbleiben im frühen und kalten Winter, Schlacht vor Moskau, Stalingrad, der Fall Berlins. Gleichzeitig fand der Holocaust statt, der all das Düstere noch überschattete. Dahinter verborgen ist eine weitere Untat, von der nur höchst selten gesprochen wird, von der viele nichts wissen und viele lieber nichts wissen würden: der Tod von drei Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen - durch physische Gewalt, Aushungerung und Krankheit. Eine der bedrängendsten Tragödien des Zweiten Weltkriegs. Ein Massenmord hinter dem Massenmord. Vieles unterscheidet dieses Verbrechen vom Holocaust. Unter anderem die Fotos und Filme, die seinen Verlauf von Anfang an festhalten. Wir sind nicht auf die Erinnerungen Überlebender allein angewiesen. Die Täter selbst haben ihr Tun dokumentiert. Als wären sie sich keiner Schuld bewusst. Die Frage, ob ihr Schicksal ein Verhängnis war oder der Beginn einer planvollen Vernichtung, stellte sich den Kriegsgefangenen nicht. Sie alle verstanden nicht, was mit ihnen geschah. Eines aber wussten wohl die meisten von ihnen: Es gab kein zurück. In der Heimat galten sie nun als Feiglinge, Deserteure und Verräter. Der Film vollzieht das Verhängnis, die Untat, nach. Es geht ihm nicht darum, die Täter schuldig zu sprechen, sondern die Opfer in unsere Erinnerung zurückzurufen fast alles junge Männer, zum Teil noch halbe Kinder.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 19.06.2021 um 01:30 Uhr auf Phoenix.