

Die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen in Deutschland hat sich während der Corona-Pandemie verschlechtert. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), die im Rahmen der sogenannten "COPSY" (Corona und Psyche)-Studie mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren sowie 1.500 Erwachsene zu den Auswirkungen des Virus befragten. Im Fokus standen dabei Themen wie psychisches Wohlbefinden und Lebensqualität, aber auch Fragen zu Schule, Familie und Freunden.
Erhöhte seelische Belastung durch Corona Um herauszufinden, inwieweit sich die Werte im Vergleich zu der Zeit vor Corona verändert haben, verglichen die Forscher die aktuellen Umfrageergebnisse mit vorher erhobenen Daten bundesweiter Studien. Die Ergebnisse zeigen: Mehr als 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen fühlen sich durch die Corona-Krise seelisch belastet. Demnach haben Stress, Angst und Depressionen durch die Pandemie zugenommen und auch das Risiko für psychische Auffälligkeiten habe sich beinahe verdoppelt.
Der Studie zufolge waren die Kinder außerdem häufiger gereizt, litten unter Einschlafproblemen und klagten über Kopf- und Bauchschmerzen. Zudem gab jedes vierte Kind an, dass es in der Familie häufiger zu Streit komme als noch vor Corona. Gleichzeitig deuten die Umfrageergebnisse darauf hin, dass Kinder und Jugendliche weniger auf ihre Gesundheit achten. So gaben die Teilnehmer an, dass sie mehr Süßigkeiten essen, weniger Sport machen und mehr Zeit am Handy oder vor dem Fernseher verbringen würden. "Wir haben mit einer Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens in der Krise gerechnet. Dass sie allerdings so deutlich ausfällt, hat auch uns überrascht", erklärte Prof. Ravens-Sieberer, Leiterin der Studie und der Forschungsgruppe "Child Public Health" der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE.
Bestimmte Familien besonders betroffen Von den Auswirkungen der Corona-Virus-Pandemie besonders betroffen sind dabei vor allem Kinder, deren Eltern einen niedrigen Bildungsabschluss oder einen Migrationshintergrund haben und die Corona-bedingten Veränderungen als schwierig erleben. Darüber hinaus begünstigen fehlende finanzielle Ressourcen und ein beengter Wohnraum das Risiko für psychische Auffälligkeiten.
Und auch mangelnde Rückzugsmöglichkeiten und fehlende Tagestruktur können besonders in Krisenzeiten Streit und Konflikte in der Familie verursachen. "Wir brauchen dringend Konzepte, wie wir die Familien in belasteten Phasen besser unterstützen können. Wir wissen, wenn die Eltern belastet sind, sind es auch die Kinder. Und wenn verschiedene Belastungen zusammenkommen, nimmt das Risiko für psychische und psychosomatische Auffälligkeiten zu", so Prof. Ravens-Sieberer im Hinblick auf die Ergebnisse der Studie.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 12.10.2020 um 10:30 Uhr auf phoenix.