

Die Corona-Pandemie hat nicht nur körperliche, sondern auch seelische Folgen. Laut Prof. Spitzer zieht die Pandemie zwei Konsequenzen nach sich: Einerseits gibt es mehr Zusammenhalt, andererseits nehmen die Scheidungen zu und man trennt sich räumlich. Corona hat etwas von einer akuten Bedrohung wie bei einem Terroranschlag, aber auch von einer existenziellen Bedrohung, wie bei einem Hurrikan.
Kinder sind am stärksten von den Maßnahmen der Pandemie, aber am wenigsten vom Virus selbst betroffen, so Spitzer. Wissenschaftler der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf haben in einer Studie herausgefunden, dass sich die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen während der Pandemie verschlechtert hat. Außerdem zeigt die Studie, dass sich das Risiko für psychische Auffälligkeiten erhöht und sich die meisten Jugendlichen belastet fühlen, sich mehr Sorgen machen, weniger auf ihre Gesundheit achten und sie beklagen mehr Streit innerhalb der Familie. Betroffen sind vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien. Das Risiko für psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen steigt von 18 Prozent vor Corona auf 31 Prozent während der Krise. Laut Prof. Spitzer ist der Schulbesuch von Kindern auch wichtig für deren IQ.
Eine repräsentative Studie der Universität Leipzig zeigt nun auf, dass sich Senioren in Deutschland während der Pandemie mehrheitlich als psychisch stabil erwiesen haben. Diejenigen der Befragten 65- bis 94-jährigen, die telefonisch oder virtuell im Austausch mit Personen standen, die nicht ihrem Haushalt lebten, fühlten sich besonders sozial unterstützt. Die Personen bei denen dies nur partiell der Fall war, wiesen mehr Stresssymptome auf als solche, die sich sozial unterstützt fühlten. Dies bedeutet also, dass alle Altersklassen mehr oder weniger psychisch betroffen waren oder sind. Aus den Ergebnissen des UKE´s und der Uni Leipzig kann demnach geschlussfolgert werden, dass Senioren die Krise besser wegzustecken scheinen, als junge Menschen und Kinder.
Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde fordert deshalb, dass ein verantwortungsvolles Corona-Management auch psychosoziale Strategien zum Schutz der psychischen Gesundheit umfassen muss. Isolations- und Quarantänemaßnahmen könnten auch bei psychisch gesunden Menschen zu Depressivität, Ängstlichkeit, Schlafstörungen, Stress und Wut führen. Covid-19-Infektion kann auch psychische Spätfolgen haben. Eine Studie des Mailänder Krankenhaus San Raffaele ergab, dass mehr als die Hälfte von 402 beobachteten Patienten nach einer Covid-19-Behandlung Krankheitsbilder wie Traumata, Angst- und Schlafstörungen sowie Depressionen entwickelte. Die Schwere der Krankheit entsprach dabei der Schwere der Erkrankung.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 25.08.2020 um 09:30 Uhr auf phoenix.