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corona nachgehakt

Welche Auswirkungen haben Mutationen?
Dienstag, 16.06.2020 11:30 Uhr
phoenix
Dienstag
16.06.2020
11:30 Uhr
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Bildquelle: Pressebild (ard2017)
Bildquelle: Pressebild (ard2017)

Der Erreger SARS-CoV-2 gehört zu der Gruppe Viren, die zur Vermehrung ihre Ribonukleinsäure (RNA) nutzen. Mit einem Durchmesser von 125 Nanometern sind sie dabei vergleichsweise groß. Eine besondere Eigenschaft zeichnet ihr Genom aus: Mit insgesamt 30.000 genetischen Basen besitzen Corona-Viren das größte Genom aller RNA-Viren. Damit ist ihr Genom mehr als dreimal so groß wie das von HIV und Hepatitis C und mehr als doppelt so groß wie das von Influenza-Viren.

Darüber hinaus besitzt das Corona-Virus einen genomischen Korrekturlesemechanismus, der verhindert, dass das Virus Mutationen anhäuft, die für eine Schwächung sorgen könnten. Stattdessen sind Corona-Viren in der Lage, ihr genetisches Material neu anzuordnen und dabei Stücke ihrer RNA mit anderen Corona-Viren auszutauschen.

Bei Mutationen handelt es sich um Kopierfehler im Erbgut der Viren, die bei einer Virusvermehrung auftreten können. Bei dem Erreger SARS-CoV-2 sind das durchschnittlich zwei Mutationen pro Monat. In vielen Fällen haben diese keine Auswirkungen auf die Eigenschaften des Virus. Tritt allerdings eine Veränderung bei sogenannten Spike-Proteinen ein, dann können Viren unter Umständen besser in menschliche Zellen hineingelangen.

Zwar hat sich auch das Corona-Virus seit dem erstmaligen Auftreten in China verändert, allerdings mit einer deutlichen geringeren Rate als andere variable Viren, wie beispielsweise HIV oder HCV-Viren. "In der rezeptorbindenden Domäne des Spike-Proteins haben wir bisher so gut wie keine Veränderungen festgestellt", erklärt der Virologe Friedemann Weber von der Justus-Liebig-Universität Gießen. Trotzdem seien Corona-Viren bezüglich ihrer Flexibilität nicht zu unterschätzen, so Weber weiter. Sie seien extrem gut darin, ihr Erbgut umzuarrangieren, indem sie Bereiche ihrer RNA mit anderen Corona-Viren austauschen. Veränderungen in der Größenordnung von Grippe-Viren beispielsweise seien hier allerdings nicht zu erwarten, da Corona-Viren ein geringeres genetisches Repertoire aufweisen. Außerdem ist es für sie schwieriger, einzelne Gene miteinander auszutauschen, da ihr Genom nicht in mehreren Teilen, sondern "am Stück" vorliegt. Allerdings könne es im Laufe der Zeit durchaus zu Veränderungen kommen, die eine Anpassung des Impfstoffes erfordern würden.
In einer neuen Folge des NDR-Podcasts "Coronavirus-Update" weist auch der Virologe Christian Drosten darauf hin, dass eine einzelne Mutation in der Evolution wenig ausmacht und vielmehr die Summe von drei, vier oder fünf Mutationen für phänotypische Veränderungen - also zum Beispiel Veränderungen in der Gestalt, der Erscheinungsform oder dem Verhalten des Virus - sorgen könne. Im neuen phoenix-Format "corona nachgehakt" stellen Wissenschaftler und Ärzte neueste Forschungsergebnisse vor. In jeder Ausgabe des 15-minütigen Formats geht es im Gespräch mit Wissenschaftlern und Medizinern aus allen Fachbereichen um einen bestimmten Aspekt des Virus.

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 16.06.2020 um 11:30 Uhr auf phoenix.