Die Hälfte der Stadt

Dokumentarfilm Deutschland 2014

Quelle: Pressebild
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Der jüdische Fotograf und Gemeindepolitiker Chaim Berman engagierte sich vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs für ein friedliches Nebeneinander von Polen, Juden und Deutschen in seiner polnischen Heimatstadt Kozienice, doch seine weltoffene Haltung wurde ihm bald zum Verhängnis.


Chaim Berman kommt 1890 im polnischen Städtchen Kozienice zur Welt. Bereits sehr früh begeistert er sich für Fotografie und lernt sein Handwerk vom eigenen Vater. Bald beginnt er damit, die Bewohner von Kozienice zu porträtieren - es sind Polen, Juden und Deutsche, die hier weitestgehend friedlich nebeneinander leben.

Während sich das politische Klima in den 1930er Jahren verfinstert, kämpft Berman weiter für ein Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und vermittelt in seiner Eigenschaft als Stadtrat immer wieder zwischen den Kulturen und Religionen. Bis zum Schluss weigert er sich, Polen zu verlassen, da er an eine friedliche Lösung glaubt.

Diese Haltung wird ihm zum Verhängnis, als die Nazis seine Heimat überfallen. Bermans vermeintliche Freunde werden plötzlich zu seinen Feinden, während Menschen, die er vorher nicht sonderlich schätzte, ihn und seine Familie zu retten versuchen. Der polnische Nachbar Bermans, Antoni Kaczor, hält ihn in einem winzigen Keller versteckt. Als der Fotograf von einer tückischen Krankheit befallen wird, die sein Gehirn angreift, beginnt er, laut zu schreien, und bringt damit die Familie seines Retters in Lebensgefahr. Antoni Kaczor muss bald eine Entscheidung treffen.

"Die Hälfte der Stadt" nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise durch die Gezeiten eines turbulenten europäischen Jahrhunderts und erzählt die bewegende Geschichte eines Mannes, dessen Überzeugungen fortschrittlicher waren als die Welt, in der er lebte. "Chaim" bedeutet auf Hebräisch "Leben" - so erklärt sich die außergewöhnliche formelle Herangehensweise des Regisseurs Pawel Siczek. Die aufwendig gestaltete Animation, die durch die Werke des Malers Marc Chagall und die naive Malerei der Kozienicer Region inspiriert wurde, lässt eine längst vergessene Welt wieder lebendig werden.

Die Hinterlassenschaft des Fotografen Berman besteht aus an die zehntausend Porträts auf Glasnegativen, die jahrzehntelang unentdeckt blieben. Sie zeigen unbekannte Menschen aus Chaim Bermans Alltag, die Gesichter einer für immer verlorenen europäischen Ära. Diese Glasnegative sind der Ausgangspunkt des Films, der das Leben ihres Urhebers zu rekonstruieren versucht.

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 09.04.2020 um 01:10 Uhr auf arte.

09.04.2020
01:10
Livestream
Audio-Format:stereo
Bild-Format:16:9
Farbe:farbe
Audio-Beschreibung: nein
Hörhilfe: nein
HDTV: ja
Logo-Event: nein
VPS:1586387400
Schlagwörter:Film, Animation, Dokumentation/Reportage, Geschichte, NS-Zeit und Folgen, Polen
Alternative Ausstrahlungstermine:
09.04.2020 01:10 Uhr arte
02.02.2020 23:20 Uhr RBB
09.05.2017 22:45 Uhr RBB