

Der Gotthard zählt heute zu den wichtigsten Alpenübergängen Europas. Die Dokumentation erzählt die spannende Geschichte seiner Erschließung - vom kleinen Pfad durch das Hochgebirge bis hin zum längsten Eisenbahntunnel der Welt. Mit immer neuen Technologien versucht der Mensch, die Passage sicherer und schneller zu machen. Dieser Kampf kostete viele Menschenleben, aber er gab auch unzähligen Menschen Arbeit und die Hoffnung auf ein besseres Leben. Einst überquerten Händler und Pilger den Pass zu Fuß. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Gotthard mit dem Bau einer Straße auch für Kutschen befahrbar. In der Mitte des 19. Jahrhunderts beschloss die Schweiz den Bau einer Eisenbahnstrecke am Gotthard. Ein 15 Kilometer langer Tunnel - damals der längste der Welt - sollte in den Berg gesprengt werden. Den Zuschlag erhielt der Schweizer Bauunternehmer Louis Favre, der einen riskanten Vertrag unterzeichnete: In nur acht Jahren musste er den Tunnel fertigstellen. Steinschläge und Wassereinbrüche gefährdeten den ehrgeizigen Plan sehr bald. Als schließlich der Durchstich erfolgte, war Favre kurz vorher gestorben.
Auch heute kommt es immer wieder zu Steinschlägen am Berg, allerdings entstehen sie immer früher im Jahr. Durch die Klimaerwärmung taut das Eis im Fels und bringt so die Steine ins Rutschen. Der Film trifft auf Experten, die mit den unterschiedlichsten Methoden versuchen, die Auswirkungen der steigenden Temperaturen zu mildern und ihre langfristigen Folgen besser vorherzusagen: So soll oberhalb von Andermatt der Gurschengletscher durch eine 10.000 Quadratmeter große Vliesabdeckung vor dem Abschmelzen gerettet werden. Eine Permafrost-Forscherin untersucht am Gotthard die Auswirkungen der Erderwärmung auf die Stabilität der Berge. Mit diesen Messungen will sie vor allem große Bergstürze, die ganze Dörfer verwüsten können, besser vorhersagen können. Im Permafrost vermuten Forscher unbekannte Mikroorganismen, die möglicherweise seit Tausenden von Jahren dort eingeschlossen sind. Mit dem Wasser der hier entspringenden Flüsse Reuss und Ticino sowie den beiden Strömen Rhein und Rhone könnten sie in weit entfernte Ökosysteme vordringen. In dem Film entnimmt ein Mikrobiologe erstmals Proben aus dem Permafrost am Gotthard. Im Labor will er untersuchen, ob diese Mikroorganismen möglicherweise Krankheiten auslösen oder Fortschritt in die Biotechnologie bringen könnten.
Über zehn Monate dauerten die Dreharbeiten. Regisseurin Verena Schönauer begibt sich mit dem Film auf eine Spurensuche nach den unbekannten Seiten des Gotthards. Die Bilder des preisgekrönten Kameramanns Thomas Riedelsheimer zeigen die außergewöhnliche Schönheit der alpinen Gebirgslandschaft. Spektakuläre Drohnenaufnahmen ermöglichen dem Zuschauer eine bisher unbekannte Perspektive. Und nicht zuletzt ist es die Musik des vielfach ausgezeichneten Komponisten Fabian Römer, die die Reise über den Gotthard zu einem unvergesslichen Abenteuer macht.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 27.10.2019 um 04:10 Uhr auf HR.