Messerland Deutschland?

Film von Michael Hänel, Tom Fugmann und Carmen Salas

Quelle: Pressebild

"Messer machen Mörder", so deutlich bringt es die Berliner Polizei auf den Punkt. Messerangriffe polarisieren wie kaum ein anderes Thema seit Jahren die Öffentlichkeit. Notärzte, Polizisten, Gewaltforscher und Lehrer sind sich schon lange sicher: In Deutschland gibt es eine gefährliche Bewaffnung mit Messern. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendwo in Deutschland zugestochen wird. Lässt sich diese Entwicklung stoppen?

Die zunehmende Bewaffnung von jungen Männern wirkt für sie nachweislich ansteckend. Denn: Wer Angriffe erlebt hat, Opfer oder Täter kennt, wer kein Vertrauen in die regelnde Kraft von demokratischer Öffentlichkeit und Polizei hat, wer einfach nur aggressiv ist, wem es an menschlicher Empathie fehlt, bewaffnet sich immer häufiger.

Erik war 14, als ein deutscher Mitschüler mehrfach in der Schule auf ihn einstach.
Der Arbeiter Mohammad dagegen war zur falschen Zeit am falschen Ort, als ein junger Asylbewerber vor einem Kiosk mit einem 13-cm-Messer auf ihn einstach. Notärzte und Unfallchirurgen konnten beide retten. Für die Notfallmedizin sind Messerangriffe ein Kampf gegen die Uhr. In Großstädten sind die Kliniken bereits darauf eingestellt. Mit neuen technischen Möglichkeiten werden Blutungen der Messeropfer am Tatort oder in den Notaufnahmen der Kliniken gestoppt. Viele überlebende Opfer leiden aber ihr weiteres Leben an den Folgen: an chronischen Schmerzen verletzter Organe und wiederkehrenden Entzündungen. Psychologen warnen zudem vor den psychischen Folgen für die Opfer, die Messerangriffe als Eingriffe in die Würde, in die Unverletzlichkeit ihres Körpers erleben.

Für Johannes (17) endete ein Messerangriff tödlich. In der Faschingszeit stach ihm ein 16-Jähriger mit einem Messer in den Bauch. Innerhalb von Minuten verblutete er und starb. Für seine Familie, Freunde und seine Mitspieler im Reinstetter Fußballverein ein Tag, den sie auch zwei Jahre nach der Tat nicht vergessen können. Hätte das Leben von Johannes gerettet werden können, wenn das Mitführen von Messern bei Veranstaltungen, in Schulen und in der Bahn grundsätzlich verboten wäre und dieses Verbot auch konsequent kontrolliert würde? Könnten weitere Messeropfer durch die Einrichtung von Waffenverbotszonen verhindert werden?

Der Film begleitet die politische Auseinandersetzung um dieses Vorhaben. Erst seit Mitte 2018 werden Fälle mit dem "Tatmittel Messer/Stichwaffe" von den Innenministerien der Länder gesondert registriert.

Die Sendung wird ausgestrahlt am Montag, den 23.09.2019 um 22:45 Uhr auf Das Erste.

23.09.2019
22:45
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Schlagwörter:Dokumentation/Reportage
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23.09.2019 22:45 Uhr Das Erste