einen Recherchen bekam er ein Schachbrett geschenkt, das noch vor dem Mauerbau in der Haftanstalt gefertigt wurde und Nachrichten der Gefangenen an den Westen enthalten soll. Phoenix hat die Suche nach den verschwundenen Geschichten exklusiv begleitet und ist mit Hilfe der Restaurierungsabteilung des Hauses der Geschichte dem Schachbrett auf den Grund gegangen. In den 50er Jahren machten die politischen Gefangenen fast mehr als die Hälfte der Insassen aus. Während draußen vom Politbüro "Friede, Freundschaft, Solidarität" propagiert wurde, wurde Sie hinter den Knastmauern von Brandenburg-Görden gelegt. In den 50er Jahren formierte sich dort eine Widerstandsgruppe, die es zum einen schaffte Informationsketten innerhalb der Haftanstalt aufzubauen und zum anderen Informationen auf verschiedenen Wegen nach draußen zu schleusen. Ihnen Gelang sogar die Kontaktaufnahme mit dem Kanzleramt. Auf diese Weise gelang es Ihnen den politischen Gefangenen Hafterleichterungen zu verschaffen und am Ende sogar den Freikauf zu ermöglichen. Einer, der 1964 freigekauft wurde ist Thomas Ammer, an seiner Geschichte wird die Brutalität und Willkür der Deutsch Demokratische Republik deutlich. Er gehörte dem Eisenberger Kreis an, einer Jugendoppositionsgruppe, die sich in der Tradition der Geschwister Scholl verstand und für freie Wahlen in der jungen Republik eintrat. 1958 wird er im Alter von 21Jahren verhaftet und zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Anwalt, den seine Familie bezahlte war dabei chancenlos, wie er sich erinnert "Man durfte auch nicht über die Straftat sprechen, sondern nur über die Dinge die die außerhalb der Straftat lagen, zum Beispiel die Abwicklung des Mietverhältnisses oder so". Das Ehepaar Sternheimer macht ähnliche Erfahrungen. Beide werden 1962, nach einem missglückten Fluchtversuch verurteilt. Renate Sternheimer kommt ins Frauengefängnis Hoheneck und Wolfdieter Sternheimer verbringt zwei Jahre in Brandenburg-Görden. "Knastologen" nennen Sie sich heute mit guter Miene zum bösen Spiel. Von der Widerstandsgruppe erfährt Wolfdieter Sternheimer erst spät "Ich hab mit denen nach und nach immer mehr Kontakte gehabt, die haben mich mehr und mehr einbezogen, ohne viele Worte habe ich Informationen gekriegt, aber ich war nicht Mitglied und bin mir ganz sicher, dass viel der Mitglieder das nicht wussten." Die Köpfe der Gruppe leben heute nicht mehr. Willi Brundert gilt als ihr Begründer. Er organsierte sich bereits im Widerstand gegen die Nazis und machte sich nach seiner Flucht in den Westen als Bürgermeister von Frankfurt einen Namen. Über seinen Widerstand im Osten hat er bis zu seinem Tod 1970 geschwiegen, nicht mal seine Tochter Ingrid Prinz wusste etwas über den Zusammenschluss. Ein Schweigekartell um andere politische Gefangene nicht zu gefährden. Ein Teil der verborgenen Geschichten schlummert heute möglicherweise noch in dem Schachbrett. Während die Restaurierungsabteilung des Hauses der Geschichte den Inhalt des Schachbrettes nach und nach ans Tageslicht bringt, verbinden sich die Schicksale und Motivation der heute noch Lebenden mit den Botschaften von damals.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 03.07.2019 um 16:00 Uhr auf phoenix.