Zoom auf Indien (3/4)

Persönliche Erinnerungen

Quelle: Pressebild

Lange bevor die introspektive Fotografie aufkommt, ist Indien ein Land, in dem die Gruppe gesellschaftlich dominiert und dem Einzelnen nur wenig Raum lässt. Bis heute bleiben die Unterschiede in Form von Kasten, Religionen und Volksgruppen allgegenwärtig. Nur eines ist inmitten dieser Vielfalt von universeller Bedeutung: die Zugehörigkeit zu einer Großfamilie, die aus bis zu 20 Personen bestehen kann. Die Familie ist der Grundpfeiler der Gesellschaft, sie bestimmt seit jeher den Lebensweg. Kurz nach der Unabhängigkeit 1947, die zwei Jahrhunderte britischer Kolonialherrschaft beendet, kommt es zu einer stärkeren Öffnung zum Ausland. Das rebellische und spirituelle Indien zieht Menschen aus der ganzen Welt an. Selbst die Beatles suchen hier nach dem inneren Frieden und bereiten so den Weg für Generationen von Hippies auf der Suche nach dem Nirwana. Umgekehrt übernehmen die Inder auch die Sitten und Gebräuche des Westens. Mit dem Aufstieg der Konsumgesellschaft entdecken sie nach und nach neue Lebensweisen - aber vor allem sich selbst. So löst sich die Gruppe schließlich langsam auf, an ihre Stelle tritt das Individuum. Dieser Wandel veranlasst viele indische Fotografen, die Veränderungen innerhalb ihrer Gesellschaft aus einer persönlichen Perspektive zu betrachten. Pablo Bartholomew, Pionier beim Ablichten des Privatlebens, hat gerade mit den Arbeiten seiner Jugend im anarchistischen Indien der 70er und 80er Jahre ein komplexes Werk geschaffen. Nun tritt Atul Loke in seine Fußstapfen. Er fotografiert immer und immer wieder das Haus seiner Kindheit und zeigt damit, wie das Leben in der Gemeinschaft sich dem Ende zuneigt. Sohrab Hura gräbt noch tiefer in der kollektiven Psyche Indiens. Sie veröffentlichte ein Fototagebuch, das die Schizophrenie ihrer Mutter thematisiert und somit in der breiten Öffentlichkeit für große Aufregung sorgte, da die Mutter in Indien unantastbar ist.

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 21.04.2019 um 06:05 Uhr auf arte.