

"Zu Großem sind wir noch bestimmt, und herrlichen Tagen führe ich Euch entgegen", verkündet der junge Hohenzollern-Kaiser Wilhelm II. zu Beginn der Epoche, die später nach ihm benannt wird. Er entpuppt sich als prunksüchtiger Monarch, selbstverliebt und betont forsch. Für die Mehrheit des deutschen Bürgertums aber wird er zum Sinnbild eigenen Strebens nach Glanz und Größe.
Der Liberale Friedrich Naumann meint gar: "Dieser Kaiser, über den ihr euch aufregt, ist euer Spiegelbild!" Die Fassade von Pickelhauben und Paraden ist symptomatisch für die "verspätete Nation". Der Pomp überspielt vieles. Die "innere" Einigung Deutschlands ist ins Stocken geraten, der junge Staat bleibt in sich gespalten. Alte territoriale wie konfessionelle Gegensätze bieten Konfliktstoff, im industriellen Aufschwung tun sich tiefe soziale Gräben auf. Der Reichstag, allen voran die stark anwachsende Sozialdemokratie, fordert ein Ende des "persönlichen Regiments" Wilhelms II. Der Kaiser beschimpft die Partei der Linken als "vaterlandslose Gesellen".
Wilhelm II. verfolgt andere Visionen als der Gründungskanzler Bismarck. Dieser hat der Welt vor Augen führen wollen, dass sich der neu gegründete Staat friedlich in das Konzert der Mächte einfügen kann. Der junge Hohenzoller aber will Kaiser einer Weltmacht sein, die mit den anderen Großmächten mithalten kann.
Der Erste Weltkrieg schließlich wird zum ersten industriellen Vernichtungskrieg, zur Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. 1918 ist das deutsche Heer am Ende, selbst die Generäle haben das begriffen. Eingestehen wollen sie es freilich nicht - zumindest nicht vor der Nation. Film von Ricarda Schlosshan
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 29.08.2018 um 06:00 Uhr auf PHOENIX.