

Der Jenissej ist einer der mächtigsten Ströme der Erde. Er fließt von der mongolischen Grenze nordwärts durch ganz Sibirien bis zum Polarmeer. Hier gibt es keine Straßen und keine Schienen. Das Postschiff ist die einzige Verbindung zu den Menschen. Es fährt Tag und Nacht an endlosen Wäldern entlang, an winzigen Dörfern und kleinen Städten vorbei. Die Reise auf dem Fluss beginnt in Krasnojarsk. Von dort aus werden die Dörfer bis hinauf zum Nordpolarmeer mit Kohle, Lebensmitteln, Medikamenten und Post versorgt, alles wird von den Menschen sehnsüchtig erwartet. Nur vier Monate im Jahr ist Zeit, notwendige Dinge in die Siedlungen zu schaffen. Dann friert der Fluss bei Temperaturen von bis zu minus 50 Grad zu.
Kapitän Pachomov kennt den Jenissej, den stürmischen, gefährlichen Fluss mit reißender Strömung. Vom Schiff aus sieht man, dass manche Ufer wie „abrasiert“ wirken. An Bord sind Nenzen, die zu den Ureinwohnern Sibiriens gehören. Vor der russischen Eroberung lebten sie nicht in festen Häusern, sondern als Nomaden. Ihr Dorf ist so winzig, dass es keine Anlegestelle hat. Die Menschen klettern mitsamt ihren Habseligkeiten wie Kühlschränken, Fernsehapparaten und Sofas die Bordwand herunter und steigen in Transportboote um. An einigen Anlegestellen warten Babuschkas mit Kartoschki, Kartoffeln, Gemüse und Obst aus dem Garten auf die Reisenden, um sich zur kargen Rente etwas dazuzuverdienen.
Die Menschen am Jenissej haben schon einiges durchgestanden. Viele kapitulieren vor der großen Kälte, der Einsamkeit und Weite des sibirischen Nordens, wollen ins „Materik“ nach Zentralrussland zurückkehren. Aber es gibt auch Naturfreunde im hohen Norden, die auf dem Schiff die Zeit nutzen, ihre Netze zu flicken, die vom Fischfang leben, von der Jagd auf Bären, Zobel, wilde Rentiere und von den kargen Ernten ihrer winzigen Gärten. Film von Rita Knobel-Ulrich
Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 09.05.2018 um 00:45 Uhr auf PHOENIX.