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Rezension zu The Unknown Known
In Deutschland wird Donald Rumsfeld vor allem seiner Beteiligung an der Regierung George W. Bush wegen als Kriegstreiber wahrgenommen. Als Falke, der die USA und die westliche Welt in einen weiteren Golfkrieg trieb. Dass er sich ausgerechnet dem Filmemacher und Oscargewinner Errol Morris für dessen Dokumentarfilm »The Unknown Known« stellte, zeigt zumindest, dass der Falke keine Angst hat. Ganz im Gegenteil: er stellt sich, selbstbewusst und streitbar. Und selbst seine Kritiker, zu denen Filmemacher Morris zweifelsohne gehört, müssen ihm danach zugestehen: der ehemalige Verteidigungsminister kann sich auch selbst ganz ordentlich verteidigen. Das ZDF hat den Film nach der Erstausstrahlung auf ZDFinfo nun bis 17. Februar 2016 in seiner Mediathek zum Abruf bereitgestellt.
Er ist der Mann, der Hunderttausende, vielleicht auch Millionen von Memos schrieb. Alles, was er in seiner langen politischen Karriere erlebt, beobachtet, angeordnet hat, nahm Rumsfeld als Memos auf. »Schneeflocken« nannte er seine Audioaufnahmen, mit denen er bis zum letzten Tag, dem Tag seinen Rücktritts aus der Regierung von US-Präsident George W. Bush, die Mitarbeiter im Pentagon »beglückte«. Ein Glück ist diese Mitteilungsflut aber auch für den amerikanischen Filmemacher Errol Morris, denn Rumsfelds Memos sind das Gerüst dieses außergewöhnlichen Dokumentarfilms. Ein langes Interview mit Rumsfeld liefert den Kontraste zu diesen Nachrichten aus der Vergangenheit des Politikers. Einer Vergangenheit, die über die letzten Jahre in der Bush-Regierung bis in die heutige Zeit hineinragt.
Donald Rumsfeld, der bereits von 1975 bis 1977 in der Regierung von US-Präsident Gerald Ford als Verteidigungsminister agierte – und dann erneut von 2001 bis 2006 Chef des Pentagons war – machte in seiner aktiven Zeit mit seinem rauen Ton und seinem galligen Humor auf sich aufmerksam. Den Humor hat er sich auch für den Film »The Unknown Known« bewahrt - der Titel basiert übrigens auf einem Sprachspiel, das er auf einer Pressekonferenz gab.
Entlastet von seiner Mitverantwortung für das Chaos heutige im Nahen Osten wird Rumsfeld nicht, aber es gelingt ihm zumindest, eine andere Sicht auf die letzten 40 Jahre der amerikanischen US-Aussenpolitik zu werfen. Man muss diese Sicht nicht teilen, aber es ist gut, diese Sichtweise zu kennen. Respekt kann man auch vor Falken haben - man muss ja nicht mit ihnen fliegen.
03.07.2014