Mein dickes Problem

Die Traumfigur - wer kennt den Wunsch nicht? Die Diät-Industrie boomt, schlank zu sein gilt als Schönheitsideal. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Die einen arrangieren sich mit ihren Pfunden. Amira und Nele aber wollen ihr Gewicht nicht akzeptieren. Die Deutschen haben ein "dickes" Problem: Die Hälfte ist übergewichtig, jeder Vierte ab 15 Jahren sogar fettleibig beziehungsweise adipös. Diese Entwicklung ist alarmierend, denn überzählige Pfunde sind kein individuelles Problem. Die Behandlung der Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Arthrose kosten in Deutschland 17 Milliarden Euro pro Jahr - laut Angabe der Adipositas-Gesellschaft. Doch warum fällt das Abnehmen so schwer? Die Ursachen können vielfältig sein. Von falscher Ernährung über mangelnde Bewegung bis hin zu psychischen Problemen und genetischer Veranlagung. Amira verspürt kein Sättigungsgefühl Amira (24) ist 1,80 Meter groß und wiegt 131 Kilogramm. Amira war schon als Kind adipös, mit 14 machte sie ihre erste Abmagerungskur, leider erfolglos. Seit Jahren muss sie sich verletzende Sprüche über ihr Gewicht anhören, selbst aus ihrem nahen Umfeld. "Keiner will zur Kenntnis nehmen, dass Adipositas eine Krankheit ist", sagt sie. Die junge Frau verspürt kein Sättigungsgefühl. Sie kann in nur einem Monat 20 Kilogramm zunehmen oder auch abnehmen. In ihrem Kleiderschrank hängen Klamotten von Größe 36 bis hin zu XXL. Doch Amira hat die Hoffnung nicht aufgegeben, irgendwann wieder in die kleinen Größen zu passen. Amira will nicht nur schlanker werden, um sich schöner zu fühlen. Sie möchte auch ihre gesundheitlichen Probleme wie Bluthochdruck, Diabetes und Knieschmerzen loswerden. Als Krippenerzieherin kommt sie schnell außer Puste, wenn sie mit den Kindern draußen spielt. Auch das soll sich ändern. Amira fasst den Entschluss: Sie lässt sich im Frankfurter Krankenhaus Sachsenhausen einen Schlauchmagen operieren. Trotz Bedenken ihrer Eltern, aber mit mentaler Unterstützung ihres Freundes Daniel. Seitdem hat Amira nach und nach viele Kilos verloren. Ihr Leben hat sich komplett verändert. Ist Amira jetzt schlank glücklicher? Wie kommt sie mit den veränderten Essgewohnheiten, der Hormonumstellung und den Nebenwirkungen klar? Abnehmen als Familienprogramm Nele (14) ist 1,63 Meter groß und wiegt 97,1 Kilogramm. Sie wohnt mit ihren Eltern im thüringischen Zeulenroda. Das Übergewicht liegt in der Familie, auch Mutter Manuela hat Probleme mit den Pfunden. Nun ist Nele in eine neue Schule gekommen. "Gemobbt werde ich nicht wegen meines Übergewichts, aber schief angesehen", sagt Nele. Den Anstoß, sich dem KIDS-Programm zur Behandlung von Adipositas anzuschließen, gibt letztlich Neles Kinderarzt. Neles Eltern sind froh darüber, die ganze Familie unterstützt nun Nele beim Abnehmen und zieht das Ernährungsprogramm mit ihr gemeinsam durch. Auch ihre Mutter und ihr Stiefvater wollen dabei abnehmen. Bei dem KIDS-Programm ist Nele mit Kindern zusammen, die das gleiche Problem haben wie sie. Sie machen zusammen Sport und besuchen mit ihren Eltern Kochtrainings und Schulungen. Auch psychologische Beratung gehört dazu. Allmählich wird Neles Kondition besser, aber trotz Bewegung, gesunder Ernährung und Verzicht auf Süßigkeiten purzeln ihre Kilos nur langsam. Neles Ziel: Zu ihrer Jugendweihe will sie in einem hübschen Kleid in Größe 40 erscheinen - statt wie bisher in Größe 46. Wird ihr das gelingen? Der Kampf gegen die Kilos "37 Grad" begleitet Amira und Nele durch die Höhen und Tiefen im Kampf gegen die Kilos. Welche physischen und psychischen Veränderungen spüren sie? Wie gehen sie mit Rückschlägen und Komplikationen um? Woraus ziehen sie ihre Kraft, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen? 37 Grad-Autorin Petra Cyrus über ihren Film Aufklärung tut Not Es gibt so viele übergewichtige Menschen, aber jemanden zu finden, der sich bei seinen Abnehmversuchen mit der Kamera begleiten lässt und seine sehr persönlichen Gedanken und Empfindungen preisgibt? Ich wusste, dass die Protagonistensuche nicht einfach werden würde. Viele Adipositas-Gesellschaften, Zentren, Kliniken und Selbsthilfegruppen begrüßten unser Filmprojekt und boten ihre Unterstützung an. Aufklärung tut Not, hörte ich immer wieder. Aber ob auch Familien mit ihren dicken Kindern vor die Kamera gehen würden? Ich hatte großes Glück. Nach einem halben Jahr Recherche traf ich die damals 13-jährige Nele und ihre Eltern aus Zeulenroda. Es gelang uns schnell, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Auch die 23-jährige Amira aus Raunheim ging ganz offen mit ihrer Adipositas um. Sie war verzweifelt und unglücklich und an einem Punkt angelangt, an dem sie mit konservativen Mitteln nicht mehr weiterkam. In ihrer schlechtesten Zeit hatte Amira 133 Kilo, d.h. mehr als 50 Kilo Übergewicht. Sie wurde sehr oft von wildfremden Menschen wegen ihrer Leibesfülle angepöbelt. Viele Adipositas-Patienten ziehen sich deshalb zurück und geraten ins soziale Abseits. Anders bei unseren Protagonisten. Sie wollen etwas gegen ihr Übergewicht tun und gehen damit offensiv um. Über die lange Drehzeit von einem Dreivierteljahr halten mich Nele und Amira mit WhatsApp-Videos auf dem Laufenden. Sie berichteten über ihre persönlichen Erfolge und schickten auch dann Videos, wenn es ihnen nicht so gut ging. Es war ein ständiges Auf und Ab der Gefühle. Stress, Frustessen - und die totale Umstellung Bei Nele und ihren Eltern purzelten die Kilos nur langsam. Es war und ist schwer für sie, allein durch verändertes Essverhalten, Ernährungsumstellung und mehr Bewegung schnell abzunehmen. Hinzu kommt die Arbeit der Eltern im Drei-Schicht-System und Neles Pubertät. Wenn es Stress gibt, schleicht sich auch schon mal ihr Frustessen wieder ein. Amira dagegen hat durch ihre Schlauchmagen-Operation in kurzer Zeit sehr viel abgenommen. Sie lebt seitdem mit nur noch 20 Prozent ihres Magens. Sich auf diesen kleinen Magen umzustellen, ihr Essverhalten total zu ändern und aufzupassen, dass sie dabei genügend Vitamine, Mineralien und Nährstoffe zu sich nimmt, war und ist für Amira nicht einfach. Besonders am Anfang hatte sie mit Übelkeit, Erbrechen, Verdauungsstörungen sowie Haut-und Haarproblemen zu kämpfen. Trotzdem hat sie die Operation nicht bereut, sagt Amira. Ein schwerer und langwieriger Weg Es war mir nicht bewusst, dass Menschen wie Amira zum Beispiel Angst haben, im Flugzeug nicht in den Sitz zu passen oder um eine Gurtverlängerung bitten zu müssen. Dass sie sich genau überlegen, ob sie in einen halbvollen Fahrstuhl steigen, aus Angst vor dem peinlichen Moment, mit ihrem Gewicht die Höchstbelastung des Fahrstuhls zu überschreiten.  Vor diesem Hintergrund fand ich es wichtig, zu verdeutlichen, womit sich meine Protagonisten auseinander setzen müssen und wie schwer und langwierig der Kampf gegen die Kilos ist. Dieser Kampf hat Amiras und Neles Leben verändert. Sie haben nicht aufgegeben, darauf sind sie stolz. Und wir mit ihnen.


Dieser Film wird am 01.12.2025 um 00:25Uhr depubliziert!
Herkunft: ZDF-Mediathek
Sender: ZDF
Depublizierung: 01.12.2025 00:25Uhr
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