

Alle klagen: Das junge 21. Jahrhundert steht offenbar völlig im Zeichen von Größenwahn und Gier, die Welt wird regiert von Managern, die nur eines kennen: Wachsen. Erfolg durch Größe. Macht. So ist das, offenbar. Aber nicht überall ...
Francois "Franz" Anthony ist durchaus das, was man einen erfolgreichen Geschäftsmann nennen kann. Sein Auftragsbuch ist proppevoll, er hat nicht mehr Schulden, als er es verantworten kann, die Kunden sind zufrieden und er, der "Patron" des Familienunternehmens, das seit 1796 an der Rue de Ratzwiller im elsässischen Butten residiert, er ist mit seinem Leben glücklich. "Ich bin froh, so wie ich bin," resümiert er, während er seinen 30 Jahren alten LKW durch das Elsass steuert.
Drei Leute hat er fest angestellt: Pierre, Alain und Sylvain. Natürlich könnte Meister Anthony ein zweites Team einstellen, Aufträge gibt es reichlich. "Eine zweite Equipe, die hat keinen Wert, ich arbeite gerne selbst mit und denke, die Arbeiter mögen das auch." Also hockt man zusammen auf den Dächern, im Elsass und in Lothringen - und mittags im Restaurant. Der Franz pflegt noch eine alte Tradition: Man isst zusammen, die Rechnung übernimmt er.
"Der glückliche Patron" zeigt eine kleine, überschaubare Welt, weit weg von Globalisierung, von den vernetzten Kommandozentralen des "Big Business." Man erlebt den Alltag eines Handwerkbetriebs, die Fest- und Feiertage eines Dorfes, das im "Alsace bossue", dem sogenannten "Krummen Elsass" liegt. Man erfährt von den kleineren und größeren Sorgen eines mitreißend fröhlichen und optimistischen Familienvaters, der 70, 80 Stunden pro Woche arbeitet, damit nie Millionär werden wird und nur einen Wunsch hat: Dass das Leben genau so weiter geht. Und dass der LKW noch ein paar Jahre hält ...
* ARD-Themenwoche 2016: "Zukunft der Arbeit"
"Zukunft der Arbeit" ist der Titel der ARD-Themenwoche 2016, die in diesem Jahr vom Hessischen Rundfunks (hr), vom Saarländischen Rundfunk (SR) und von Radio Bremen verantwortet wird. Eine Woche lang, vom Sonntag, 30. Oktober, bis Samstag, 5. November, beleuchten Sendungen im Ersten, in allen dritten Programmen und in den Partnerprogrammen der ARD, im Radio und im Internet die unterschiedlichen Facetten der digitalen Arbeitswelt und wie sich die Menschen heute und morgen über ihre berufliche Tätigkeit definieren.
Wer sind die Gewinner und Verlierer?
Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Die Zukunft der Arbeit hat längst begonnen. Digitalisierung und Globalisierung schreiten unaufhaltsam voran. Die klassische Erwerbsarbeit des Industriezeitalters verliert an Bedeutung. "Industrie 4.0", "Sharing-Ökonomie" oder "Cloud-Working" heißen die Schlagworte. Das "Internet der Dinge" wird schon bald Produkte aus dem 3D-Drucker möglich machen, individueller und billiger als heute. Software wird Sachbearbeiter in den Büros ersetzen, Automaten werden sich selbst optimieren. Neue Plattformen und Netzwerke machen bereits jetzt jeden Autobesitzer potentiell zum Billig-Taxi-Anbieter und jeden Wohnungsbesitzer zum Vermieter von Gästezimmern. Aber wer sind bei all diesen Veränderungen eigentlich Gewinner und Verlierer?
Der Stellenwert von Arbeit
Und wie verändern sich der gesellschaftliche und der persönliche Stellenwert von Arbeit? Arbeit wird mit Geld entlohnt. Doch entspricht der Lohn auch der Leistung? Das monatliche Einkommen eines Bankers ist weit höher als das einer Altenpflegerin, ein Immobilienmakler verdient mehr als ein Konditor, eine Hausfrau bekommt gar keinen Lohn. Andere wiederum vermehren ihr Vermögen, ohne dafür zu arbeiten. Immer häufiger wird gefragt: Ist das gerecht? Wer und was bestimmen eigentlich heute und in Zukunft den Wert der Arbeit in unserer Gesellschaft?
Die ARD-Themenwoche 2016 beschreibt die "Zukunft der Arbeit" nicht als technologische Vision, sondern stets mit dem Blick auf den Wert der eigenen Arbeit: Welchen Stellenwert hat meine Arbeit? Was passiert mit meinem Arbeitsplatz? Wie verdiene ich morgen mein Geld? Was müssen unsere Kinde
r heute lernen, um in der zukünftigen Arbeitswelt zu bestehen? Wer sorgt dafür, dass unsere Arbeitsgesellschaft nicht auseinanderfällt?
Diesen Fragen gehen die Programme der ARD eine Woche lang aus unterschiedlichen Blickwinkeln nach - in Spielfilmen und Fernseh-Dokumentationen, in aktuellen Radioprogrammen und in Ratgeber-Sendungen und mit einem umfangreichen Dossier im Netz.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 03.08.2017 um 01:00 Uhr auf SR.