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Helgoland

Das kleine Hochseeparadies
Sonntag, 02.07.2017 08:45 Uhr
Phoenix
Sonntag
02.07.2017
08:45 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Sie war schon so vieles in ihrer Geschichte: Piratennest, Schmugglerhochburg, Tauschobjekt und Seefestung. Mal flatterte die dänische, dann die englische, später die deutsche Flagge auf der Insel. Heute ist Helgoland Deutschlands einzige Hochseeinsel - und etwas ganz besonderes. Ein sturmumtoster Ziegelstein in der rauen Nordsee auf dem Wind und Wetter das Sagen haben, die Menschen keine Eile kennen und auch sonst so manches anders ist als im Rest der Republik.
Hier kommt die Polizei noch mit dem Fahrrad, während alle anderen zu Fuß gehen müssen. Alkohol und Zigaretten gibt es steuerfrei. Und wer keine Lust hat, in den Supermarkt zu gehen, der wird nach Anruf beliefert - frei Haus mit dem Elektroauto, denn andere gibt's nicht, außer für Feuerwehr und Krankenhaus. Die Insel hat ihre eigenen Gesetze.
Die knapp 1.300 Insulaner mögen ihr beschauliches Leben auf dem knapp einen Quadratkilometer großen Fleckchen Fels. Und für Tiere ist die 60 Kilometer weit draußen in der Deutschen Bucht liegenden Insel sowieso ein willkommener Zufluchtsort: Tausende Zugvögel rasten hier während ihren langen Wanderungen in den Süden, Meeresvögel kommen ab April zum Nisten auf den "Lummenfelsen" - Deutschlands kleinstes Naturschutzgebiet - und an den Stränden der Nebeninsel Düne stellen über 1.000 Kegelrobben und Seehunde Jahr für Jahr neue Geburtenrekorde auf.
Gut bewacht werden sie von Rolf Blädel, dem amtlichen "Robbenjäger" und Naturschutzbeauftragten Helgolands. 168 Kegelrobbenbabys hat er in dieser Saison gezählt, so viele wie seit Beginn der Aufzeichnung nicht. Fast 30 Jahre lang war Blädel Polizist auf Helgoland, heute zählt er jeden Tag die Mitglieder seiner "faulen Bande" und macht nur noch dann "den Finger krumm", wenn ein Tier schwer krank ist. In den 80ern galten Kegelrobben in der Deutschen Bucht als fast ausgestorben, seit Mitte der 90er Jahre sind sie wieder zurück - und posen seither geduldig als Fotomodelle für Touristen.
Naturschauspiele bietet Helgoland selbst in der Luft - vor allem wenn im Frühjahr die Vögel ziehen. Dann ist Hauptsaison für Jochen Dierschke vom "Institut für Vogelkunde". Zusammen mit seinen Mitarbeitern werden so viele gefiederte Reisende wie möglich abgefangen, vermessen und beringt, bevor sie weiter dürfen. Bereits seit über 100 Jahren dokumentiert die "Vogelwarte Helgoland" diese Wanderungen. Aber nicht nur in der Luft und an Land, sondern auch im Wasser, wird eifrig Forschung betrieben, denn Meerestiere gehören seit jeher zu Helgolands Geschichte dazu.
So ist aus dem Fuselfelsen längst ein Forschungsfelsen geworden. Und die nächste Verwandlung ist bereits im Gange: Aus dem Eiland der Hummerbuden und Duty-Free-Shops soll die erste Offshore-Serviceinsel der Welt werden - die Windparks, die 20 Kilometer nördlich von Helgoland entstehen, lassen sich bei klarem Wetter bereits erkennen. Wirtschaftlicher Motor für die Insel oder Touristenschreck - das muss sich noch zeigen. Momentan sind zehn Prozent der Betten für Offshore-Mitarbeiter reserviert, das bringt Geld auf die Insel, die unter zurückgehenden Besucherzahlen leidet. Ein weiteres Mal macht Helgoland eine tiefe Wandlung durch.
Die Dokumentation verwebt Inselgeschichte und -geschichten mit aufwändig gedrehten Landschaften zu einem stimmungsvollen Porträt der Insel, das eindrucksvoll vermittelt, wie Mensch und Tier im Takt der Naturgewalten leben.
Film von Katharina Rau

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 02.07.2017 um 08:45 Uhr auf Phoenix.