

Das archäologische Experiment von Guédelon ist das größte seiner Art weltweit und lockt jedes Jahr 300.000 Besucher auf die Baustelle im französischen Burgund. Diese können zwar die Arbeiter am Werk betrachten, ahnen jedoch nichts von den minuziösen Recherche- und Planungsarbeiten, die der Umsetzung des Projektes vorausgingen. Ebenso verborgen bleibt die enge Zusammenarbeit zwischen Handwerkern und Forschern, die die wissenschaftliche Exaktheit des Unternehmens gewährleisten soll.
Getreu der Philosophie des Learning by Doing veranschaulicht der Film wie drei wichtige Teilprojekte geplant und letztendlich fertiggestellt werden: Für die Herstellung der Keramikrohre, über die das Regenwasser in die Zisternen gelangt, wird ein Töpferofen mit einer Gesamtlänge von 17 Metern benötigt. Dafür werden die Rohre bei über 1.000 Grad Celsius gebrannt. Als Modell für die Wassermühle dienen archäologische Überreste eines Exemplars, das in Thervay im Jura gefunden wurde. Das Guédelon-Team konnte zusammen mit dem französischen Archäologieinstitut Inrap einen mittelalterlichen Hydraulikmechanismus nachbauen. Für die Burgkapelle wiederum müssen einige sehr komplexe Elemente wie das Weihwasserbecken, der Altar und ein gotisches Fenster per Hand hergestellt werden.
Ein wichtiger Bestandteil der Mission ist nicht nur die Vergangenheit wiederzuentdecken, sondern auch das erhaltene Wissen über ein praktisches Bildungsprojekt an die Besucher weiterzugeben. So bietet sich zugleich auch die Gelegenheit, die mittelalterlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen im 13. Jahrhundert zu entdecken.
Das archäologische Projekt von Guédelon wurde im Jahr 1997 gestartet und sollte etwa 25 Jahre dauern. Etwa 70 Vollzeitbeschäftigte arbeiten in Guédelon unter der Leiterin des Bauprojektes Maryline Martin. Guédelon ist nicht nur ein archäologisches Projekt mit historischem Reiz, es schafft auch neue Arbeitsplätze. Der Baustellenleiter Florian Renucci koordiniert die Arbeit von insgesamt elf Berufen, darunter Dutzende Maurer, Schmiede, Zimmerleute, Dachdecker und Seiler.
* Thementag Archäologie
Untergegangene Zivilisationen und Kulturen faszinieren bis heute. Wie haben solche früheren Gesellschaften gelebt? Und wie waren sie organisiert? Die Entdeckungen von Archäologen können bahnbrechend sein, auch wenn es sich nicht um den Jahrhundertfund handelt. In jedem Fall fördern archäologische Grabungen Erkenntnisse über die Menschen zutage, die einst an den Stätten lebten. Am Samstag, den 17. Juni, lädt ARTE einen Tag lang zu einer archäologischen Zeitreise ein und wirft gleichzeitig einen Blick auf die moderne Hightech-Archäologie der Zukunft.
Archäologen nutzen unterschiedlichste Werkzeuge und Methoden, um die Spuren vergangener Zivilisationen zu erforschen: Mit Kellen und Pinseln werden Gegenstände vorsichtig zutage gefördert, wie die im nordfranzösischen Lavau gefundenen Grabbeigaben eines Keltenfürsten. Goldener Schmuck, prächtig verziertes Geschirr und sogar ein großer Streitwagen sollten den Verstorbenen auf der Reise ins Jenseits begleiten. In Burgund erkunden Forscher auf andere Weise das Leben ihrer Vorfahren: Im Rahmen des Projekts Guédelon bauen sie mit Techniken aus dem 13. Jahrhundert eine mittelalterliche Burg nach. Doch natürlich arbeiten Archäologen auch mit modernsten Mitteln, wie mit Laserscanner-Luftbildern, mit virtuellen Rekonstruktionen und Verfahren wie der Geomagnetik, die sehr präzise Messwerte liefert und mit der Ausgrabungen zielgerichtet geplant werden können. Sogar an Kulturlandschaften wie dem 4.000 Jahre alten Steinkreis von Stonehenge, die als vollständig erforscht galten, lässt sich damit noch Neues entdecken. Am Samstag, dem 17. Juni, stellt ARTE neueste Arbeitsweisen und Errungenschaften der heutigen Archäologie vor.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 09.07.2017 um 15:10 Uhr auf arte.