1970 gehen die amerikanischen Homosexuellen auf die Straßen, um das einjährige Jubiläum der Unruhen der Kneipe "Stonewall Inn" zu zelebrieren. Nach dem Krieg hatten sich viele Homosexuelle bedeckt gehalten, um der Zensur zu entgehen. Doch mittlerweile hat sich eine selbstbewusste, politisch aktive Homosexuellenkultur etabliert. Die Dokumentation beleuchtet die Jahre nach "Stonewall" und damit dem Coming-out einer ganzen Bevölkerungsgruppe. Musik, Literatur und Film begleiten diesen homosexuellen Freiheitsdrang. Lou Reeds "Walk on the Wild Side" wird zum weltweiten Hit und David Bowie zersprengt mit seiner Androgynie das männliche Rollenbild.
Der Filmemacher Rosa von Praunheim hält die homosexuelle Befreiung in Deutschland fest. Zu Beginn der 80er Jahre veröffentlicht der Autor Ralf König humoristische Comics über den Alltag von Kölner Schwulen. Der Film "Cruising" mit Al Pacino ist eines der getreusten Abbilder der damaligen New Yorker Schwulenszene. Eine Band aus Brixton, Bronski Beet, verkörpert den realistischen Style der Homosexuellen. Letztendlich gibt Hollywoods "Philadelphia" der Krankheit Aids endlich auch im Film ein Gesicht. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts beginnen die Mauern und Hürden zu fallen: Immer mehr Stars beenden das Versteckspiel öffentlich und leben ihre homosexuelle Identität offen aus. Die zweite Folge "Out" befasst sich mit der Integration der Homosexualität in die Massenkultur und zeigt auf, wie die breite Öffentlichkeit durch die sukzessiven Coming-outs Verständnis für die Situation und den Kampf dieser Bevölkerungsgruppe entwickelt.
Auch die Tate Britain verschreibt sich in ihrer aktuellen Ausstellung "Queer British Art" diesen flammenden Identitäten, den Ikonen und ihrer Verhandlung in der Kunst. Dieser Linie folgend befasst sich die zweiteilige Dokumentation "I want to break free - Pop vom anderen Ufer" mit der damals verbotenen schwulen Underground-Kultur.
Andeutungen und Botschaften zwischen den Zeilen zeigen, dass sich bereits in zahlreichen Hollywoodfilmen aus den 50er und 60er Jahren homosexuelle Lesarten finden. Der Dokumentarfilm "Somewhere over the Rainbow" gibt sich wiederum der Kraft der Musik hin und zeigt, wie die bahnbrechenden Songs von David Bowie über Madonna bis Boy George die homosexuelle Emanzipation vorangebracht haben und warum Schwule heute zur wichtigsten Zielgruppe popkulturellen Marketings gehören. Schließlich rückt "Too young to die" eine Ikone ins Zentrum der Homosexuellenbewegung: Judy Garland. In der Rolle der Dorothy in "Der Zauberer von Oz" gilt ihre Hymne über das Ende des Regenbogens als Zeichen für Toleranz und Menschlichkeit. Allerdings zeichnen Ruhm und Glamour die große Bühnengöttin.
Drogen, Alkohol und Skandale machen sie zu einer schillernden, aber auch fragilen Figur, deren Überlebenswille maßgebend für die Bewegung wird. Ihre Hymne wird zum Sehnsuchtslied einer bunten und freiheitsliebenden Gemeinschaft, die ihre erkämpften Rechte in autoritären Staaten und vor den restriktiven Maßnahmen der Staatschefs aktuell wieder aufs Neue beweisen muss.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 06.07.2017 um 01:10 Uhr auf arte.