

Die Irish-Tinker-Stute Finola zieht schnaufend einen sechs
Meter langen Buchenstamm aus dem Wald. Marko Jakubzyk
führt sie, nahezu wortlos. "Fine weiß ganz allein, wo sie lang
gehen muss", schwärmt er. Marko Jakubzyk ist einer der
wenigen, die mit Rückepferden in Mecklenburg-Vorpommern
versuchen, ihr Geld zu verdienen. Ein großer Auftrag in
denLetschower Tannen bei Rostock ist für ihn eine logistische
Herausforderung. Jeden Morgen muss Jakubzyk die Tiere schon
im Morgengrauen mit einem Hänger an den Einsatzort bringen.
Dort bekommen sie ein extra angefertigtes Geschirr umgelegt,
das ausgelegt ist für extrem hohe Belastungen und Zugkräfte.
Die Pferde zerren behutsam gefällte Bäume einzeln an den
nächstgelegenen Waldweg. Das kann dauern. Die Bäume
verkeilen sich, die Tiere müssen Pausen machen, Gräben und
kleine Sumpfgebiete müssen überwunden werden.
Mitten drin ist Holger Weinauge, der Förster. "Unser Diesel
heißt Hafer", freut er sich. Holger Weinauge betreut über 5.000
Hektar Wald, nachhaltig, schonend, umweltfreundlich. Für ihn
und sein Team geht das nur mithilfe von Pferden. Die großen
Rückemaschinen, die gleichzeitig fällen, entlasten und sägen,
machen viel zu viel kaputt. "Der Waldboden stirbt!", warnt er.
"Damit eine große Rückemaschine arbeiten kann, müssen fast
20 Prozent der Waldfläche dran glauben!" Holger Weinauge will
in seinem Forst einen anderen Weg gehen. Die Vorteile liegen
auf der Hand: Die Tiere sind leichter, verdichten den Boden
nicht so sehr, kommen auch in schwierigem Gelände gut
zurecht.
Doch Pferde sind langsamer und kosten auch dann Geld, wenn
kein Holz aus dem Wald herausgeholt wird. Dafür gab es bis vor
Kurzem eine Förderung von fünf Euro pro Kubikmeter Holz,
wenn mit Pferden gerückt wurde. Die Zukunft der Förderung ist
ungewiss. Auch wenn dieser Zuschuss auslaufen sollte, will
Marko Jakubzyk auf jeden Fall weitermachen. Für ihn sind die
Kaltblutpferde viel mehr als nur ein Broterwerb. "Die Tiere
sehen einfach wunderschön aus! Mit ihrer langen, weißen
Mähne, den behaarten Fesseln, den schwarz-weißen Flecken
und dem kräftigen Körperbau sind die Pferde echte Hingucker."
Die Sendung wird ausgestrahlt am Dienstag, den 27.06.2017 um 18:15 Uhr auf NDR.