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Unsere Geschichte - Als RAF-Terroristen im Norden abtauchten

Silke Maier-Witt und ihr Leben in der DDR
Donnerstag, 22.06.2017 06:35 Uhr
NDR
Donnerstag
22.06.2017
06:35 Uhr
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Bildquelle: ARD-Pressebild
Bildquelle: ARD-Pressebild

Meinhof, Baader, Meins. Buback, Schleyer, Mogadischu. 2017 jährt sich der so genannte "Deutsche Herbst" zum 40. Mal. Eines der RAF-Mitglieder: Silke Maier-Witt.
Es ist eine Sensation: Eine Ex-Terroristin geht vor laufender Kamera an den Ort ihrer Verhaftung zurück. 26 Jahre nach ihrem Auffliegen ist Silke Maier-Witt wieder in Neubrandenburg. Im Juni 1990 wurde sie hier zusammen mit dem RAF-Aussteiger Henning Beer festgenommen. Ein Fahndungscoup für den letzten DDR-Innenminister, Peter-Michael Diestel. Zwei von zehn RAF-Terroristen, mit internationalem Haftbefehl gesucht, abgetaucht in der DDR.
26 Jahre lang hat Silke Maier-Witt Neubrandenburg gemieden
Seit 1987 lebte sie als "Sylvia Beyer" in Neubrandenburg. Nachdem sie in Erfurt, wo sie zuvor untergetaucht war, enttarnt und anschließend von der Stasi ein Jahr lang aus dem Verkehr gezogen wurde. Jetzt steht sie da, wo sie 1990 verhaftet wurde: Vor ihrem früheren Betrieb, dem VEB Pharma. Ein sozialistischer Vorzeigebetrieb sollte dieser werden. Dazu kam es nicht mehr. Die DDR ging den Bach runter und Silke Maier-Witt flog auf.
Silke Maier-Witt ist eine der bekanntesten ehemaligen RAF-Terroristen. Seit 1977 Mitglied der Roten Armee Fraktion. Als Späherin war sie an der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer beteiligt. Nach ihrer Enttarnung in der DDR im Juni 1990 wird sie 1991 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt und 1995 vorzeitig aus der Haft entlassen.
Wie war das Leben im Osten für sie? Wie ist das, wenn man eine neue Identität annimmt? Wie sah er aus, der geheime Deal zwischen Stasi und RAF? Wie ging der Ausstieg und wer wusste in Ost und West davon? Wie gingen die Freunde von Silke Maier-Witt mit ihr um, nachdem sie enttarnt worden war?
Unser Film begleitet Silke Maier-Witt auf der Suche nach ihrer eigenen Vergangenheit. Sie spricht darüber, wie sie im MfS-Objekt "Falke" auf das Leben im Osten vorbereitet wurde. Darüber, was die DDR für sie bedeutete, wie sie mit der gesellschaftlichen Isolation klar kam, wie sie den Tag ihrer Verhaftung und den Mauerfall erlebt hat.
Und, wie sie damit zurecht kommt, dass sie mitgeholfen hat, Menschen auszulöschen und ob sie das heute, 40 Jahre nach dem Deutschen Herbst, noch belastet. Warum sie sich der RAF angeschlossen hat und sich Jahrzehnte später dafür entschied, als Friedenshelferin zu arbeiten.
Das Kamerateam begleitet die frühere Terroristin an ihrem früheren Wohnort in Neubrandenburg, im ehemaligen Stasi-Objekt in Briesen, ist dabei, wenn Silke Maier-Witt ihren Neubrandenburger Freunden von damals begegnet. Wenn sie Akteneinsicht in ihre Stasi-Unterlagen beantragt und wenn sie den letzten Innenminister der DDR, Peter-Michael Diestel trifft. Und wir besuchen sie in Skopje, Mazedonien, wo sie seit vielen Jahren als Friedensfachkraft für das Forum Ziviler Friedensdienst gearbeitet hat.
Und wir erfahren, wie Hanns-Eberhard Schleyer, der Sohn des von der RAF ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hans-Martin, die Geschichte der Silke Maier-Witt bewertet.
Produktion: Frederik Keunecke
Autor: Kathrin Matern
Redaktion: Birgit Müller

Textquelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Donnerstag, den 22.06.2017 um 06:35 Uhr auf NDR.