

Es ist kurz nach neun Uhr früh. Hinter Reinhard Schramm schließt sich die schwere Stahltür der Jugendhaftanstalt. Seit 15 Jahren kommt der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen hierher, um mit rechtsextremen jugendlichen Straftätern zu reden. Im großen Freizeitraum haben sich schon zehn Jugendliche versammelt. Es ist laut, die Häftlinge witzeln, tuscheln miteinander, sind unruhig. Erst als Reinhard Schramm den Raum betritt, kehrt Ruhe ein. Der 70-Jährige erzählt den "harten Jungs" von den Taten der Nazis und beantwortet ihre Fragen.
Er ist im Februar 1945 selbst nur knapp der Deportation entkommen. Umso größer ist die Hürde, sich mit den Jugendlichen zu beschäftigen, die dieses Gedankengut weitertragen und wieder aufleben lassen. "Ich glaube aber dennoch ganz fest, dass ich durch meine Arbeit die Jugendlichen wieder auf einen normalen Weg bringen kann", sagt Reinhard.
Heute ist außerdem das jüdische Shavuot-Fest und Reinhard Schramm will die Feierlichkeiten mit dem Rabbi abstimmen. Seine Frau wird bei dem Fest auch dabei sein. Das ist eher überraschend, ist sie doch orthodoxe Katholikin. Seit die beiden verheiratet sind - inzwischen 38 Jahre - feiern sie gerne die jüdischen und katholischen Feste zusammen.
Die Sendung wird ausgestrahlt am Samstag, den 27.05.2017 um 18:45 Uhr auf MDR.